Flutkatastrophe: Ohnmächtige Verzweiflung angesichts der Horror-Flut - DER SPIEGEL
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Flutkatastrophe Ohnmächtige Verzweiflung angesichts der Horror-Flut

Mit unvorstellbarer Gewalt bahnt sich das Wasser seinen Weg elbabwärts. Dämme brechen, Brücken stürzen ein, Häuser werden weggerissen. In Bitterfeld müssen Tausende Helfer zusehen, wie sich der Goitzschesee in die Stadt ergießt.
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Einwohner von Dresden bauen am Freitag neue Sandsacksperren am Terrassenufer im Zentrum der Elbestadt auf

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Foto: DPA
Blick auf die Altstadt-Silhouette von Desden: Der Pegel hat am Morgen die Neun-Meter-Marke überschritten

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Foto: DPA
Die Dresdner Semperoper reflektiert sich in den Fluten. Kurz nach Mitternacht hatten die Wassermassen den berühmten Theaterplatz überflutet

Die Dresdner Semperoper reflektiert sich in den Fluten. Kurz nach Mitternacht hatten die Wassermassen den berühmten Theaterplatz überflutet

Foto: EPA/DPA
Das "Heinz-Steyer-Stadion" in Dresden und die umliegenden Straßen sind vom Elbe-Wasser überschwemmt

Das "Heinz-Steyer-Stadion" in Dresden und die umliegenden Straßen sind vom Elbe-Wasser überschwemmt

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Tausende Helfer versuchen am Freitag, den Chemiepark Bitterfeld und die Stadt mit Sandsäcken zu sichern. Ein sechs Kilometer langer Damm soll die Chemieanlagen vor dem Hochwasser schützen

Tausende Helfer versuchen am Freitag, den Chemiepark Bitterfeld und die Stadt mit Sandsäcken zu sichern. Ein sechs Kilometer langer Damm soll die Chemieanlagen vor dem Hochwasser schützen

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Freiwillige Helfer bauen am Freitag an der Münzstraße in Dresdens Alstadt einen Sandsackwall, um die Frauenkriche vor den Fluten der Elbe zu schützen

Freiwillige Helfer bauen am Freitag an der Münzstraße in Dresdens Alstadt einen Sandsackwall, um die Frauenkriche vor den Fluten der Elbe zu schützen

Foto: DDP
Das Naturschutzgebiert Elbauen vor dem Dresdner Stadteil Mickten steht am Freitag völlig unter Wasser. Unabsehbar sind die Folgen der Überschwemmung für die Natur

Das Naturschutzgebiert Elbauen vor dem Dresdner Stadteil Mickten steht am Freitag völlig unter Wasser. Unabsehbar sind die Folgen der Überschwemmung für die Natur

Foto: DPA
Einige Dresdner versuchen ihre Häuser zu verlassen, als ihr Viertel am Freitag evakuiert werden musste

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Foto: AP
Elbwasser hat am Freitag das Schild zur Semperoper in Dresden überschwemmt

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Foto: DDP
Ein Haus bei Pirna ist am Donnerstag vollkommen vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen

Ein Haus bei Pirna ist am Donnerstag vollkommen vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen

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Feuerwehr und freiwillige Helfer schichten am Freitag Sandsäcke an das Ufer der Goitzsche in Bitterfeld. Das ehemalige Tagebau-Restloch droht nach der Flut der Mulde überzulaufen

Feuerwehr und freiwillige Helfer schichten am Freitag Sandsäcke an das Ufer der Goitzsche in Bitterfeld. Das ehemalige Tagebau-Restloch droht nach der Flut der Mulde überzulaufen

Foto: DPA
Das Schrammsteinbad in Bad Schandau ist am Donnerstag vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen. Die elbaufwärts gelegenen Städte Pirna und Bad Schandau in der sächsischen Schweiz wurden zu großen Teilen überflutet

Das Schrammsteinbad in Bad Schandau ist am Donnerstag vom Hochwasser der Elbe eingeschlossen. Die elbaufwärts gelegenen Städte Pirna und Bad Schandau in der sächsischen Schweiz wurden zu großen Teilen überflutet

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Feuerwehr und freiwillige Helfer schichten am Freitag Sandsäcke an das Ufer der Goitzsche in Bitterfeld

Feuerwehr und freiwillige Helfer schichten am Freitag Sandsäcke an das Ufer der Goitzsche in Bitterfeld

Foto: DPA
Die Innenstadt von Bad Schandau ist am Donnerstag vom Hochwasser der Elbe überschwemmt

Die Innenstadt von Bad Schandau ist am Donnerstag vom Hochwasser der Elbe überschwemmt

Foto: DDP
Eine Häusersiedlung bei Heidenau ist komplett von den Wassermassen der Elbe eingeschlossen

Eine Häusersiedlung bei Heidenau ist komplett von den Wassermassen der Elbe eingeschlossen

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In der Stadt Krippen werden am Donnerstag Anwohner mit Booten aus ihren Häusern gerettet.

In der Stadt Krippen werden am Donnerstag Anwohner mit Booten aus ihren Häusern gerettet.

Foto: DDP




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Dresden/Bitterfeld - Die Helfer sind verzweifelt, die wenigen verbliebenen Einwohner niedergeschlagen. In Bitterfeld gab die Einsatzleitung die Dämme auf, Freiwillige und Feuerwehrmänner wurden abgezogen, weil die Situation zu gefährlich wurde. Unaufhörlich sickert Wasser durch die schwammigen Dämme. Von der B-100 her, wo nur wenige mit einem Überlaufen gerechnet hatten, ergießt sich ein mächtiger Strom in die Stadt.

Nun dringt die Flut von Südosten her langsam in die evakuierte 16.000-Einwohner-Stadt vor. Das Krankenhaus steht bereits zwei Meter unter Wasser. Der höher gelegenen Chemiepark ist bisher allerdings nicht akut gefährdet. Wie viele Menschen in ihren Häusern in der Stadt noch ausharren, sei ungewiss.

Zehn von zwölf Stadtteilen werden seit 7 Uhr morgens evakuiert. Personen, die sich weigern, ihre Häuser zu verlassen, müssen damit rechnen, dass Feuerwehr und Polizei Haustüren aufbrechen. Der Katastrophenstab ordnete zudem an, mit massivem Polizeiaufgebot Plünderungen zu verhindern.

In einzelnen Gebieten Bitterfelds soll das Wasser nach Auskunft der Krisenleitung schon drei Meter hoch stehen. Über 10.000 Bewohner der Stadt mussten ihre Häuser verlassen und mit Bussen in Notunterkünfte im benachbarten Wolfen gebracht werden. Heute morgen gegen 6.15 Uhr wurden alle Helfer aufgefordert, die Uferpromenade am Jahn-Stadion zu verlassen. Dort halten die Dämme zwar noch, doch die Sicherungsmaßnahmen wurden aufgegeben. In den vergangenen Tagen war hier fieberhaft daran gearbeitet worden, aus Sandsäcken meterhohe Schutzwälle aufzurichten. Nachdem sich die Flut über Bitterfeld ergossen hat, wäre ein Einsatz dort jedoch lebensgefährlich.

Dafür versuchen Tausende Hilfskräfte, das Wasser des Goitzschsees an anderer Stelle aufzuhalten. In der Bitterfelder Feldstraße in der Nähe der Anhalt-Siedlung sollen Wälle errichtet werden, um das von der B 100 aus Nordosten heranströmende Wasser zu stoppen.

Regina Krüger, Pressesprecherin des Krisenstabes, versicherte, es werde alles Menschenmögliche versucht, um den Bitterfelder Chemiepark vor den Fluten des Muldestausees zu sichern. Von dort bedroht die Hochwasserflut riesige Industrieanlagen. Am frühen Mittag war der Chemiepark noch nicht unmittelbar von den Wassermassen bedroht.

Den unzähligen Helfern war es um Mitternacht gelungen, zu der Dammbruchstelle zwischen der Mulde und dem Goitzschesee vorzudringen. Anschließend wurde versucht, den Bruch zu schließen. Nördlich von Bitterfeld wiederum sollte dem Krisenstab zufolge ein Deich durchstochen werden, um Wasser aus dem See in das alte Muldebett abfließen zu lassen. Beide Maßnahmen sollten dazu dienen, den Goitzschesee zu entlasten. Am frühen Morgen lief jedoch immer noch Wasser aus.




Sechs Ortschaften zwischen Bitterfeld und Dessau wurden weiter evakuiert. Aufforderungen zum Verlassen der Häuser ergingen dann an die Einwohner von Jeßnitz, Raguhn, Schierau, Priorau, Rossdorf und Niesau, wie der Katastrophenstab mitteilte.

Erleichterung herrscht dagegen in Dresden: Dort hörte der Pegel in der Früh bei 9,40 Meter auf zu steigen. Der Krisenstab rechnet jedoch nicht damit, dass das Wasser vor dem Nachmittag zurückgeht. Wie der Sprecher des sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft, Dirk Reelfs, mitteilte, lag der Pegelstand um 5 und um 6 Uhr bei 9,39 Metern. Um 7 Uhr sei der Pegelstand noch einmal um einen Zentimeter auf 9,40 Meter gestiegen. Doch nachdem der Wasserstand im wesentlich höher gelegenen Schöna an der sächsisch-tschechischen Grenze seit acht Stunden konstant liege, sei mit der gleichen Entwicklung auch in Dresden zu rechnen, betonte Reelfs.

Zuvor war der Krisenstab im Innenministerium noch von einer Höchstmarke von 9,45 bis 9,50 Metern ausgegangen. Die Jahrhundertflut in Sachsen kostete derweil ein elftes Menschenleben. In Dresden ertrank ein 56 Jahre alter Mann, der vor der Evakuierung noch einmal in seinen Keller zurückgehen wollte.

Der Pegelstand von 9,40 Metern stellt einen historischen Rekord dar. Der bislang höchste Wert in Dresden hatte 8,77 Meter betragen und war am 31. März 1845 gemessen worden. Es wurde nunmehr mit einem allmählichen Rückgang der Fluten gerechnet. Hoffnung schöpfte man aus der Tatsache, dass der Pegel im tschechischen Usti oberhalb von Dresden von 11,54 Meter auf 11,47 Meter weiter gesunken war, wie Burkhard Zscheischler vom Krisenstab im sächsischen Innenministerium mitteilte.

Eine Sprecherin des Landratsamtes Sächsische Schweiz teilte mit, im Pirnaer Stadtteil Sonnenstein werde ein Zeltlager für 10.000 Menschen aufgebaut, die bereits evakuiert seien. Mehrere hundert Helfer von Bundeswehr, bayerischem Roten Kreuz und dem Technischem Hilfswerk seien im Einsatz. Das Zeltlager werde für die Dauer von drei Wochen errichtet.

Unterdessen schickte Luxemburg 1000 Betten nach Sachsen. Aus Polen kamen besonders leistungsfähige Pumpen. Zwölf Fahrzeuge hätten Freitagnacht gegen 23 Uhr die deutsch-polnische Grenze passiert und seien in das nach wie vor vom Hochwasser bedrohte Meißen geschickt worden, erklärte Zscheischler.

Behinderungen gab es auf der Bahnstrecke von Dresden nach Leipzig. Eine 80 Meter lange Brücke bei Riesa sei weggebrochen, sagte der Sprecher. Reisende müssten lange Umleitungen in Kauf nehmen. Der Freistaat Sachsen wiederum kämpfe mit Hochdruck um seine Kulturgüter. So würden jetzt im Keller der Dresdner Semperoper und in der Sempergalerie stärkere Pumpen gegen die Wassermassen eingesetzt.

In einigen Stadtteilen Dresdens wurde vom Trinken aus der Wasserleitung abgeraten. Stattdessen sollte auf Mineralwasser zurückgegriffen werden, hieß es. Gleichzeitig warnte Zscheischler alle so genannten Gaffer: Hochwassertouristen, die keinen plausiblen Grund dafür angeben könnten, warum sie in die gefährdeten Stadtteile führen, müssten damit rechnen, dass sie ihr Fahrzeug an Ort und Stelle verlassen und zu Fuß nach Hause gehen müssten.

Brandenburg: Hochwasser steigt weiter

In der brandenburgischen Stadt Mühlberg ist am Samstagvormittag nahe des Hafens der Deich überspült worden. Die Überflutung der weitgehend evakuierten 5000-Einwohner-Stadt stehe nun bevor, sagte ein Sprecher des Katastrophenstabs.

Auch in der besonders gefährdeten Region Prignitz werden die Sorgen immer größer, sagte Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) im infoRadio Berlin-Brandenburg. In der Prignitz würden zusätzlich Bundeswehrsoldaten eingesetzt, um ein 13 Kilometer langes Deichstück um einen halben Meter zu erhöhen.

In Mühlberg halten sich noch knapp 100 Menschen auf - trotz mehrfacher Aufforderung der Behörden, die Stadt wegen der Überflutungsgefahren zu verlassen. Schönbohm betonte, dass diese Menschen bei Rettungsaktionen dafür dann zur Kasse gebeten würden. Der Pegelstand bei Mühlberg habe sich auch am Morgen stündlich um etwa vier Zentimeter erhöht, am Freitag waren es noch sechs Zentimeter.