Flutkatastrophe Sterbende Kinder, viel zu wenig Hilfe
Banda Aceh/Phuket - Nach Berichten eines SPIEGEL-TV-Reporters kam es in der indonesischen Provinz Aceh in der Nacht zu neuen Erdbeben. "Das Haus, in der wir übernachtet haben, hat gewackelt", berichtet Helmar Büchel aus Banda Aceh. Es sei eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes. "Tausende Tote auf den Straßen, sterbende Kinder und viel zu wenig Hilfe."
Am Morgen gab das indonesiche Gesundheitsministerium die Opferzahlen mit vermutlich mehr als 100.000 Menschen an. In Sri Lanka starben nach neuesten Angaben 28.500 Menschen. Nach Angaben des thailändischen Innenministers Bhokin Balakula wurden weitere 3500 Leichen am Strand der Provinz Phang Nga nördlich der Ferieninsel Phuket entdeckt. Rettungsmannschaften aus rund einem Dutzend verschiedener Länder konzentrierten ihre Arbeit auf dieses Gebiet, um nach Möglichkeit noch Überlebende zu finden und zu versorgen.
Damit hat sich die Zahl der registrierten Toten in Thailand fast verdoppelt, die darin enthaltene Zahl der Ausländer sogar mehr als verdreifacht. Nach jüngsten Regierungsangaben kamen mindestens 2230 ausländische Touristen in den Fluten um, bislang war von rund 700 die Rede gewesen. Die Gesamtzahl der Toten in Thailand wurde heute Morgen mit 4510 angegeben. Ministerpräsident Thaksin Shinawatra warnte, dass die Zahl auf 7000 ansteigen könnte. Mehr als 6100 Menschen werden noch offiziell als vermisst gemeldet.
Nach dem gestern ausgegebenen Tsunami-Alarm in Indien meldete das Innenministerium Entwarnung. In einer Mitteilung des Ministeriums hieß es, das indische Meteorologische Institut sehe derzeit keine Seebeben-Gefahr. Die Bundesstaaten an den Küsten sollten aber weiterhin wachsam sein. Der Alarm hatte gestern zu panischer Angst an den Küsten in Indien und Sri Lanka geführt. Nach Angaben des indischen Innenministeriums sind bislang 7330 Opfer der Katastrophe vom Sonntag bestätigt, 5900 Menschen werden vermisst. Inoffizielle Schätzungen gehen von weit mehr als 10.000 Toten aus.
In einem Spezialflugzeug der Bundesluftwaffe sind am frühen Morgen die ersten schwer verletzten Opfer der Flutkatastrophe in Südostasien in Deutschland eingetroffen. Der MedEvac-Airbus 310 kam von der thailändischen Insel Phuket und landete auf dem Flughafen Köln/Bonn. An Bord waren 49 Patienten - nach Angaben des Sprechers des Bundeswehr-Sanitätsführungskommandos, Kai Schmidt, überwiegend Deutsche, aber auch Schweden, Briten, Belgier, Österreicher und Dänen.
Zehn der Verletzten sind in einem so schlechten Zustand, dass sie nicht wie vorgesehen in ihre Heimatorte weitertransportiert werden konnten. Sie würden sofort auf Intensivstationen der Krankenhäuser im Kölner Raum gebracht, sagte Oberfeldarzt Stefan Schäfer. Bei diesen Patienten drohe akutes Organversagen infolge einer Infektion, die in Thailand nicht behandelt worden sei und inzwischen den ganzen Körper ergriffen habe.
Zu der Gruppe gehörten laut Schäfer auch fünf Patienten, die schon vor Abflug aus Phuket als schwer verletzt eingestuft worden waren. Vier von ihnen wurden während des Transports beatmet, sagte Bundeswehrsprecher Schmidt. Ferner waren 36 mittelschwer verletzte Thailand-Touristen an Bord, die liegend transportiert wurden, sowie acht Leichtverletzte, die während des rund 15-stündigen Fluges sitzen konnten. Kinder waren nach Angaben Schmidts nicht an Bord.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes werden mehr als 1000 deutsche Touristen vermisst. Unter den Toten wurden bislang 33 Deutsche identifiziert. Wie Staatssekretär Klaus Scharioth gestern in Berlin mitteilt, wurden davon 26 in Thailand identifiziert worden seien. In Sri Lanka seien sieben der Toten deutscher Herkunft. Das Außenamt bemühe sich, möglichst viele der Getöteten nach Deutschland zurückzubringen.