Flutkatastrophe Tsunami-Opfer reichen Sammelklage ein
Wien - Die Anwälte gaben die Klage am Freitag vor einem New Yorker Bezirksgericht ab. Im Namen von rund 60 Überlebenden - unter anderem aus Deutschland, Frankreich und Österreich - werfen sie den Beklagten vor, nicht rechtzeitig vor dem Tsunami gewarnt zu haben. Die Advokaten fordern in dem Schriftstück, Einblick in Unterlagen nehmen zu dürfen, von denen sie sich Hinweise auf menschliches Versagen versprechen.
"Wir verdienen nichts mit dieser Klage", versicherte der österreichische Rechtsanwalt Gerhard Podovsovnik. "Wir wollen den Leuten helfen. Wir klagen, um Informationen zu erhalten." Man erwarte eine erste Anhörung innerhalb der nächsten 30 Tage. Unter den Anwälten befindet sich auch der umstrittene amerikanische Star-Anwalt Ed Fagan, der durch die Holocaust-Verfahren gegen Schweizer Banken bekannt wurde.
In der Klageschrift wird dem Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii und dessen übergeordnete Behörde, der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), vorgeworfen, nicht alle Länder informiert zu haben, die von dem Seebeben betroffen waren. "Die NOAA versäumte es, die Länder, an deren Küste der Tsunami zuschlug, rechtzeitig vor den nahenden tödlichen Wellen zu warnen", heißt es in der Klage.
Auch gegen die thailändischen Behörden erheben die Anwälte schwere Vorwürfe: Statt die Bevölkerung sofort zu warnen hätten, die Experten des Landes mehr als eine Stunde mit der Diskussion verschwendet, welche Gefahr von dem bereits registrierten Beben ausgehe. Außerdem habe Thailand es unterlassen, Sri Lanka über die heranrollende Woge zu informieren.
Die französische Hotelgruppe Accor, der auch die Sofitel-Luxushotels gehören, wird dagegen beschuldigt, ihre Hotelanlagen im später zerstörten Khao Lak nicht mit den üblichen Vorwarneinrichtungen ausgestattet zu haben, obwohl das Urlaubsgebiet in einer erdbeben- und tsunamigefährdeten Region liege. Accor hat die Vorwürfe inzwischen als "völlig unbegründet" zurückgewiesen.