Flutwelle: Im Westen rollt die Wasserwalze - DER SPIEGEL
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Flutwelle Im Westen rollt die Wasserwalze

Nach der Jahrhundertflut im Osten drohen nun dem Westen Deutschlands katastrophale Überschwemmungen durch heftige Regenfälle. Mindestens zwei Menschen starben, ganze Städte stehen unter Wasser, die Schäden gehen schon jetzt in die Hundertmillionen.
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Frankfurt am Main - Rhein, Main und Mosel erreichten am Freitag kritische Pegel. In Köln, dem fränkischen Coburg und im baden-württembergischen Wertheim waren Teile der Innenstädte überflutet, in Zell an der Mosel stand das Wasser bis ins Rathaus.

Die Flüsse waren nach dem nächtlichen Regen stark angeschwollen. Mindestens zwei Menschen kamen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. Auch in Ostdeutschland stiegen die Pegel wieder bedrohlich.

In Köln überschwemmte das Rheinhochwasser am Abend erste Barrieren in den südlichen Stadtteilen. "An den tieferen Stellen schwappt das Wasser inzwischen über", sagte ein Sprecher der Hochwasserschutzzentrale. Insgesamt steige das Hochwasser aber mit vier Zentimetern pro Stunde langsamer als erwartet. Der Wasserstand werde die für die Kölner Altstadt kritische Marke von zehn Metern deshalb voraussichtlich am Samstag gegen Abend und damit später als ursprünglich erwartet erreichen.

Der Rhein erreichte am Abend einen Stand von 8,75 Metern. Die Schifffahrt wurde eingestellt. Steigt der Fluss über zehn Meter, droht das Wasser das ufernahe Viertel zu überfluten. In Bonn konnte die Prognose etwas nach unten korrigiert werden. Aber auch bei den jetzt erwarteten 9,80 Meter würden Dämme überflutet und ufernahe Wohngebiete unter Wasser kommen.

Das rheinland-pfälzische Umweltministerium bezeichnete die Lage an der Mosel als kritisch und warnte vor einer Zuspitzung der Situation im Mittelrheintal. In Koblenz ist bis Samstagabend mit einem Wasserstand von bis zu 8,75 Meter zu rechnen, in einige Stadtteile drangen die Fluten bereits vor.

Im Eifelort Echternacherbrück blieb ein 71-jähriger Autofahrer, der offenbar gegen 4 Uhr morgens in die Fluten der Sauer geriet, trotz umfangreicher Suche vermisst. Die Schifffahrt auf der Mosel blieb eingestellt. Auf dem Rhein kam der Schiffsverkehr zwischen Koblenz und Oberwinter zum Erliegen.

Im Moseltal waren zahlreiche Ortschaften und Städte vom Hochwasser betroffen. In Zell überspülte die Mosel bereits um Mitternacht die Hochwasserschutzmauer, die ganze Stadt wurde überflutet. In Trier sank der Pegel nach einem Scheitel von fast zehn Metern wieder, wegen neuer Regenfälle wurde aber ein erneuter Anstieg nicht ausgeschlossen.

Vom Hochwasser überrascht wurde in der Nacht zum Freitag die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden. Zahlreiche Bäche, die in die Stadt führen, traten über die Ufer. In Osthessen ertrank eine Herde mit 70 Schafen in den Fluten. Bad Soden-Salmünster, Schlüchtern und Teile von Gelnhausen wurden überflutet.

Im fränkischen Coburg war der Bahnhof wegen Überflutung nicht mehr erreichbar, nachdem sich der Pegel der Itz über Nacht auf 3,80 Meter verfünffacht hatte. Im unterfränkischen Westheim bei Hammelburg war eine Mühle überschwemmt, Polizei und Technisches Hilfswerk versuchten, drei Personen und mehrere Pferde zu befreien. Im baden-württembergischen Wertheim überflutete der Main die gesamte Altstadt.

Auch in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen stiegen die Flüsse wieder an. Das Thüringer Innenministerium bezeichnete die Lage am Abend als stabil, die Flusspegel seien "stagnierend auf hohem Niveau". Sollte es allerdings erneut stark regnen, könne die Lage kritisch werden. Auch in Sachsen stiegen einige Flüsse und Bäche weiter an, bei anderen gingen die Pegelstände wieder zurück.

Der Wasserstand der Elbe betrug am Abend in Dresden 5,37 Meter. In Sachsen-Anhalt wurde an der Unstrut im Burgenlandkreis die höchste Alarmstufe ausgerufen. Auch an der Elbe bei Magdeburg stieg der Pegel, für den am kommenden Montag eine Höhe von 5,60 Metern erwartet wird. Die Autobahn 14 in Richtung Dresden musste zwischen Schönebeck und Calbe wegen einer Überschwemmung für Stunden gesperrt werden.

Der Dauerregen wurde in der Nacht von Orkanböen begleitet, die in Baden-Württemberg Geschwindigkeiten bis zu 200 Kilometern pro Stunde erreichten. In der Nähe von Calw erschlug eine 30 Meter hohe Tanne ein 13-jähriges Kind in einem Auto, der 55-jährige Vater am Steuer wurde nach Polizeiangaben schwer verletzt. Ein 18-Jähriger kam am Donnerstagabend bei einem Verkehrsunfall auf schneeglatter Straße in Schleswig-Holstein ums Leben.

Die Wetterforscher gaben auch für die nächsten Tage keine Entwarnung. Vor allem im Süden Deutschlands soll es bis zum Sonntag weiter regnen oder schneien. Dann wird es im ganzen Land frostig: Spätestens von Montag an sollen die Temperaturen überall unter dem Gefrierpunkt liegen.