Flutwellen-Katastrophe Neue Berichte über deutsche Opfer
Berlin - Außenminister Joschka Fischer ging am späten Nachmittag vor die Kameras, um über den Stand der Dinge zu informieren. Seit den ersten Meldungen über die Flutkatastrophe ließ sich der Minister persönlich über die Lage unterrichten und koordinierte mit seinen leitenden Beamten den Krisenstab, der schon am Sonntag im Auswärtigen Amt eingesetzt wurde.
Gute Nachrichten konnte Fischer nicht verbreiten. Es sei zu befürchten, "dass sich auch deutsche Landsleute unter den Opfern befinden", sagte Fischer vorsichtig. Er wisse, dass viele Familien in großer Sorge seien und versprach, so schnell wie möglich Klarheit über das Schicksal der deutschen Touristen zu schaffen. Einige Katastrophenregionen seien jedoch noch gar nicht erreichbar.
Am Montag entschied sich Fischer gegen eine Reise in die betroffenen Regionen, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. Im Gegensatz zu seinem französischen Kollegen Michel Barnier hält es Fischer demnach nicht für sinnvoll, die Rettungs- und Aufräumarbeiten durch seine Anwesenheit zu verlangsamen. Allerdings erwägt der Minister bei einer bereits geplanten Südostasienreise mehrere Besuche in den Katastrophengebieten, die bisher nicht auf der Reiseroute lagen, hieß es.
Immer deutlicher wird, dass bei den verheerenden Flutwellen in Südostasien mehrere, vermutlich sogar viele Deutsche ums Leben kamen. Genau Zahlen jedoch kennt man auch im Krisenstab noch nicht. Die offizielle Linie des Amtes in solchen Katastrophenfällen ist den diplomatischen Gepflogenheiten folgend sehr zurückhaltend: Bis eventuelle deutsche Opfer nicht zweifelsfrei identifiziert sind und die Angehörigen informiert wurden, gibt das Auswärtige Amt in aller Regel öffentlich keine Informationen heraus.
Intern aber befürchten die Beamten das Schlimmste. "Wir können im Moment gar nichts ausschließen", hieß es in Berlin. Über Größenordnungen zu spekulieren sei aber unseriös. Schon jetzt aber schickte das Bundesinnenministerium drei Mitarbeiter des Bundeskriminalamtes und einen Gerichtsmediziner nach Thailand, um bei der Identifizierung von Deutschen zu helfen.
Sicher scheint mittlerweile, dass sich unter den tausenden Todesopfern der Flutkatastrophe in Südostasien mindestens vier Deutsche befinden. Sie wurden nach Angaben des Deutschen Reisebüroverbands bei den Aufräumarbeiten nach der Todeswelle vom Sonntagmorgen gefunden. Weitere Angaben machte der Verband nicht, das Auswärtige Amt lehnte eine Bestätigung der Meldung ab.
Am Abend kamen Meldungen über weitere Opfer. Demnach starben drei weitere Deutsche in Thailand, vermutlich auf der Insel Phuket. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks (BR) starb wahrscheinlich ein dreijähriges Mädchen aus Würzburg. Ein Münchner Polizeibeamter sowie eine Seniorin aus München werden noch vermisst, jedoch gibt es auch Berichte über ihren Tod. Auf der Insel Phuket kursieren derweile Gerüchte über weitere deutsche Opfer, die aber bisher noch nicht bestätigt werden konnten.
In Berlin laufen derweil die Drähte heiß. Bis zum frühen Abend waren bei den etwa 20 Mitarbeitern des Krisenstabes mehr als 6000 Anrufe eingegangen. Die Listen mit den Vermissten werden jede Stunde länger. Bisher aber können die Mitarbeiter fast keinem der Anrufer wirklich weiter helfen, denn auch in Berlin liegen kaum bestätigte Informationen über getötete, verletzte oder wohlauf gefundene Deutsche vor.
Schon jetzt sind Beamte aus allen Referaten an den schwierigen Recherchen beteiligt. Jeder deutsche Kontakt wie zum Beispiel die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) soll dazu beitragen, möglichst schnell Klarheit über das Schicksal von Deutschen zu bekommen. Auch die Reiseveranstalter haben einen Vertreter in den Krisenstab entsandt, der mit Listen von Passagieren und Kontaktdaten der Angehörigen helfen soll.
Sicher scheint mittlerweile, dass sich unter den tausenden Todesopfern der Flutkatastrophe in Südostasien mindestens vier Deutsche befinden. Sie wurden nach Angaben des Deutschen Reisebüroverbands bei den Aufräumarbeiten nach der Todeswelle vom Sonntagmorgen gefunden. Weitere Angaben machte der Verband nicht, das Auswärtige Amt lehnte eine Bestätigung der Meldung ab.
Schon jetzt wurden die beiden betroffenen Konsulate im thailändischen Bangkok und in Colombo auf Sri Lanka personell verstärkt. Zudem ist ein Team der thailändischen Botschaft zur Insel Pukhet unterwegs, die bei Deutschen sehr beliebt ist. Dort kümmert sich bisher ein Honorarkonsul mit zwei Mitarbeitern um Opfer und Menschen, die ihre Angehörigen verloren haben.
Allein die Summe an Pauschalurlauber in der betroffenen Region ist immens. Laut Angaben der Reiseveranstalter amt waren rund 8.200 Deutsche in den am schlimmsten betroffenen Gegenden auf den Malediven, in Sri Lanka und im thailändischen Phuket unterwegs - wohlgemerkt sind dies nur die Pauschalurlauber. Wie viele Deutsche auf eigene Faust in der Region unterwegs sind, ist völlig unklar. Es könnte sich aber noch einmal um die gleiche Summe handeln, hieß es in Berlin.
Matthias Gebauer