Franz Kotteder - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit: Franz Kotteder

Der 42-jährige Autor über die Strategie der Discountmärkte und die Macht der Kunden
• aus DER SPIEGEL 43/2005
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: In Ihrem Buch »Die Billig-Lüge« behaupten Sie, dass es sich gerade wegen der Dumping-Preise nicht rechnet, bei Discountern einzukaufen. Wie meinen Sie das?

Kotteder: Die Discounter haben einen Marktanteil von fast 40 Prozent bei Lebensmitteln. Sie können den Zulieferern die Preise diktieren, und die geben den Druck an die Produzenten weiter. Am Ende der Kette stehen Kinder in Westafrika, die von sechs Uhr früh bis abends um neun Kakaobohnen pflücken.

SPIEGEL: Es geht Ihnen also hauptsächlich um den moralischen Preis, den der Kunde zahlt?

Kotteder: Nicht nur. Wenn der Discounter einen Liter Milch für 50 Cent verkauft, kann für den Bauern nicht mehr viel übrig bleiben. Was der Käufer im Supermarkt spart, zahlt er dann mit seinen Steuern für Agrarsubventionen. Oder gar mit dem eigenen Arbeitsplatz. Vom Blumenstrauß bis zum Orangensaft kommt das Sortiment der Discounter aus dem Ausland, da die Billigpreise mit deutschen Arbeitskräften schon lange nicht mehr zu erreichen sind. Geiz ist nicht geil, Geiz ist gefährlich und schadet allen: den Produzenten, den Arbeitnehmern und den Verbrauchern.

SPIEGEL: Also nicht zu den Discountern gehen?

Kotteder: So extrem würde ich das gar nicht fordern. Besser wäre es, die Discounter dazu zu bringen, Waren zu verkaufen, die anständig produziert wurden.

SPIEGEL: Und wie?

Kotteder: Ich glaube fest an die Macht der Kunden. Wenn der Käufer sich informiert und bewusster auswählt, dann wird sich das Angebot anpassen. Nicht umsonst bieten manche Discounter keine Eier aus Käfighaltung mehr an und andere eine eigene Biomarke. Discounter sind schließlich Marktprofis.

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