Französische Pressestimmen: "Endlich Normen aufstellen" - DER SPIEGEL
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Französische Pressestimmen "Endlich Normen aufstellen"

Die Kommentatoren der französischen Tageszeitungen sprechen sich nach dem Untergang der "Ievoli Sun" für europaweite Kontrollmaßnahmen für Schiffe aus. Hier einige Pressestimmen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

"La Tribune" (Paris)

:

"Der Fall dieses Chemikalien-Tankers spricht Bände. Ob ein Schiff überaltert ist, hängt weniger von seinem tatsächlichen Alter ab als vielmehr von der Frage, wie häufig es gewartet worden ist. Und eine Vielzahl von Kontrollen wiegt weniger als deren Qualität. In dieser Sache ist es dringend, endlich Normen aufzustellen, die für alle Schiffe gelten, die Häfen der Europäischen Union anlaufen. Und was die Kontrollen angeht, so müssen die 15 (EU-Länder) sofort damit beginnen, über die langfristige Einrichtung eines transnationalen Kontrollinstruments nachzudenken. Es könnte etwa nach dem Vorbild der US-Küstenwache aufgebaut sein und müsste dann dafür sorgen, dass die skrupellosen Freibeuter von heute die Küsten Europas respektieren."

"Le Monde" (Paris):

"Beim internationalen Schiffstransport gibt es ein dringendes und schreiendes Bedürfnis nach einer schonungslosen Reglementierung. Die kann es zufrieden stellend aber nur auf der europäischen Ebene geben. Wenn die giftige Chemikalie Styrol wie im Fall des Tankers 'Ievoli Sun' eine ganze Region zu verheeren droht, dann hat man keine Lust mehr, diese theologischen und absurden EU-Debatten darüber zu hören, wie viel Föderalismus in den europäischen Institutionen akzeptabel sein könnte. Dann möchte man vielmehr handeln. Und zwar schnell."

"France-Soir" (Paris):

"Die Franzosen wollen mit aller Offenheit und wahrheitsgemäß informiert werden. Sie wollen wissen, wie gefährlich die Ladung des Tankers ist, welchen Risiken die Fauna, die Flora und die Menschen langfristig ausgesetzt sein werden. Sie wollen wissen, ob eine solche Katastrophe erneut passieren kann und ob es endlich Vorschriften geben wird, die auch greifen. Jetzt, wo der Chemikalien-Tanker auf dem Grund des Ärmelkanals liegt, geht es schon weniger darum, ob die öffentliche Meinung diese weitere Katastrophe hinnimmt. Was sie vielmehr nun nicht mehr zu ertragen droht, das ist noch eine Lüge."