Freikörperkult: "Erst verfemt, dann begafft" - DER SPIEGEL
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Freikörperkult "Erst verfemt, dann begafft"

Im Münchner Englischen Garten geht die Zahl nackter Sonnenanbeter zurück. Warum das so ist, erklärt Egfried Hanfstaengl, 58, Präsident der Bayerischen Schlösser- und Seen-Verwaltung im Interview.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Herr Hanfstaengl, die Münchner Lokalpresse beklagt das nahende Ende einer Touristenattraktion: Im Englischen Garten bleiben die Nackten aus. Was unternehmen Sie als Hausherr gegen diesen beschämenden Trend?

Hanfstaengl: Nichts. Wer wegen der Nackten nach München kommt, hat ein anderes Ziel als die meisten anderen Touristen. Früher wurden die Nackerten verfolgt und verfemt, und jetzt sollen sie angeblich fehlen. Na, wenn schon. Vielleicht liegt's ja an der Verschmutzung.

SPIEGEL: Des Parks, meinen Sie?

Hanfstaengl: Genau. Das ist unser großes Problem: die Verschmutzung und der Vandalismus. Es gibt leider immer mehr Menschen, die glauben, machen zu können, was sie wollen. Dazu gehören militante Hundebesitzer, auch Radfahrer. Oder die wilden Trommler, die Besucher und Anwohner mit ihrem Lärm quälen.

SPIEGEL: Woher rührt die Verrohung der Sitten?

Hanfstaengl: Vielleicht liegt's an der Event-Kultur. Die Leute erwarten, dass auch in einem Park immer etwas los sein soll. Sie sind nicht mehr mit dem eigentlichen Daseinszweck eines solchen Parks zufrieden, mit beschaulicher Erbauung und Erholung, um es mal etwas spießig zu sagen.

SPIEGEL: Wie wollen Sie wieder Ruhe einkehren lassen?

Hanfstaengl: Wir wollen jetzt eine Art Sicherheitswacht einführen, die halb hoheitlichen Status haben soll. Aber das Interesse von Personen, die dafür in Frage kommen, ist leider gering.

SPIEGEL: Könnte eine Münchner Ausgabe der Love Parade nicht den Event- mit dem Freikörpergedanken versöhnen und so auch den Tourismus fördern?

Hanfstaengl: Um Gottes willen. Das ist genau die Art Veranstaltung, die wir nicht im Englischen Garten haben wollen.