Friedhofsunruhe: Heyms Grabstein des Anstoßes - DER SPIEGEL
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Friedhofsunruhe Heyms Grabstein des Anstoßes

Der Schriftsteller Stefan Heym war Zeit seines Lebens ein Querdenker. Und auch sein letzter Wille ist manchen unbequem. In seinem Testament wünscht er sich einen schlichten Stein mit Namen und Lebensdaten. Die Jüdische Gemeinde in Berlin besteht aber auf einen eingravierten Judenstern - und ließ Heyms Grabmal auf dem jüdischen Friedhof Weißensee nicht zu.
Von David Heimburger
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Berlin - Eigentlich sollte seit Montag ein 600 Kilogramm schwerer Stein die Grabstätte Stefan Heyms auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee schmücken. Doch daraus wird erst einmal nichts. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde unter dem Vorsitzenden Alexander Brenner will Inge Heym keine Ausnahmegenehmigung erteilen. Der seit knapp zwei Jahren für Bestattungsfragen zuständige stellvertretende Vorsitzende, Natan Del, hat noch nie ein Abweichen von der Regel zugelassen. Seine Begründung gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Für mich ist jeder Tote gleich, der sich dafür entschieden hat, auf einem jüdischen Friedhof bestattet zu werden."

Nach der Frieshofsordnung, die in ihrer aktuellen Fassung seit 1999 in Kraft ist, sind außer dem Namen und den Lebensdaten ein Davidstern und sieben hebräische Schriftzeichen auf dem Stein anzubringen. Die Schriftzeichen stehen für "Hier ruht" und "Möge seine Seele eingebunden sein im Bunde des ewigen Lebens".

Inge Heym vermutet, dass ihr Mann schon 1981, als er sein Testament schrieb, geahnt hat, dass es einmal solche Regeln geben wird. Stefan Heym hat sich zwar immer zu seinem Judentum bekannt, war aber nie ein orthodoxer Jude. So war er auch nie Mitglied der jüdischen Gemeinde - weder in Ost- noch in West-Berlin. Seine Witwe glaubt nicht, dass der Satz in seinem letzten Willen nur eine Selbstverständlichkeit wiederholen sollte. "Mein Mann hat sich etwas dabei gedacht", sagte sie zu SPIEGEL ONLINE. "Sonst hätte er es nicht extra aufgeschrieben."

Natan Del glaubt, Heyms Wunsch nach Name und Lebensdaten, der im Originalwortlaut kein ausdrückliches "nur" enthält, weit interpretieren zu können. "Das schließt doch den Davidstern in einer Ecke des Steins und die sieben hebräischen Buchstaben nicht aus", sagte er. Daher stünde Heyms Testament auch nicht im Widerspruch zur Friedhofsordnung.

Der Historiker Julius Schoeps, selbst Jude, meint, dass es über die Frage gar keinen öffentlichen Streit geben müsse. "Der Friedhof in Weißensee ist voll mit Grabsteinen ohne Davidstern", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Eine Bestattung ohne Stern entspreche der Einstellung des alten deutschen Judentums. Die Berliner Gemeinde gilt aber spätestens seit Alexander Brenner 1991 zum Vorsitzenden gewählt wurde als orthodox.

Schoeps: "Der ganze Friedhof Weißensee gilt als Verkörperung des liberalen deutschen Judentums." Der Historiker ist überzeugt, dass der Gemeindevorstand sich problemlos über die Friedhofsordnung hinwegsetzen könne. Schließlich müsse für die Grabstätte eines Menschen dessen letzter Wille entscheidend sein.