Frostige Temperaturen: Eispanzer legt die Elbschifffahrt lahm - DER SPIEGEL
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Winterwetter: Europa ist gefroren

Foto: Michael Reichel/ dpa

Frostige Temperaturen Eispanzer legt die Elbschifffahrt lahm

Die Elbe ist gesperrt. Die Eisschollen haben sich so dicht zusammengeschoben, dass kein Schiff mehr durchkommt. Weit schlimmer ist es im Osten und teilweise im Süden Europas: In Osteuropa kostet die Kältewelle immer mehr Menschen das Leben, auch Italien meldet die ersten Todesopfer.
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Hamburg - Bei zweistelligen Minustemperaturen hat sich auf der Elbe so viel Eis gebildet, dass von Magdeburg in Richtung Norden keine Schiffe mehr fahren können, wie die Wasserschutzpolizei am Sonntag mitteilte. Der Fluss sei durchgehend bis nach Hamburg gesperrt. In der Nacht hätten sich Eisschollen zusammengeschoben und stark verdichtet. Auch die Boote der Wasserschutzpolizei müssen im Hafen liegen bleiben, die Beamten gehen mit Streifenwagen auf Eiskontrolle.

Auch der Elbe-Havel-Kanal ist wegen zwölf Zentimeter dicken Eises gesperrt - in voller Ausdehnung, von der Schleuse Hohenwarthe bis ins brandenburgische Wusterwitz, wie der Sprecher der Wasserschutzpolizei sagte.

In Süddeutschland wurde in der Nacht für diesen Winter ein neuer Kälterekord gemessen. "Mit minus 28 Grad war es in der Nacht zu Sonntag in Oberstdorf im Oberallgäu bundesweit am kältesten", sagte der Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Dem Wetterdienst Meteomedia zufolge zeigte das Thermometer auf der Zugspitze minus 27 Grad und in Doline Degerfeld minus 26,6 Grad an.

Auch in Ostdeutschland fielen die Temperaturen weit unter minus 20 Grad. So wurden im sächsischen Deutschneudorf laut DWD minus 26,4 Grad, im thüringischen Bad Lobenstein minus 24,1 und in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern minus 23,9 Grad gemessen. Am kältesten war es laut Meteomedia an einer Wetterstation in Sachsen: In Morgenroethe-Rautenkranz wurden minus 28,3 Grad gemessen.

Mit Blick auf die kommenden Tage sagte Meteorologe Hartmann, ab Mitte der Woche könnten im Rhein-Main-Gebiet und an den Küsten die Tageshöchstwerte wieder auf null Grad steigen. Größtenteils wird es aber wohl frostig bleiben. Grund ist eine Hochdruckbrücke, die sich zwischen dem russischen Kältehoch "Dieter" und dem Azorenhoch über dem Atlantik im Westen gebildet hat. Milde Luft habe deshalb keine Chance, nach Deutschland vorzudringen. Das Wetter erzeugte eindrucksvolle Phänomene in Eis und Schnee.

Mehr als 300 Kältetote in Osteuropa

Die extreme Kälte kostet vor allem in Osteuropa immer mehr Menschen das Leben. Amtlichen Angaben zufolge starben durch die Frostwelle bis Sonntag rund 300 Menschen. Am schlimmsten ist die Situation in der Ukraine und in Polen. Die ukrainischen Behörden verzeichneten seit dem 27. Januar 131 Tote. Darunter waren mehr als 30 Menschen, die zu Hause erfroren. Etwa 2000 Menschen wurden wegen Erfrierungen im Krankenhaus behandelt. Landesweit wurden 3170 Rettungsposten eingerichtet, wo Bedürftige sich aufwärmen und etwas Warmes essen können. Die Temperaturen, die tagsüber bei minus 21 Grad und nachts bei minus 30 Grad lagen, stiegen in Kiew am Samstagmorgen auf zehn Grad unter null.

In Polen erhöhte sich die Zahl der Toten auf 53. In der Nacht fielen erneut acht Menschen der Kälte zum Opfer, die meisten von ihnen Obdachlose, die häufig alkoholisiert waren, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Obdachlosenheime beschlossen deswegen, ausnahmsweise auch Betrunkene aufzunehmen.

In Rumänien stieg die Zahl der Toten auf 34. In Bulgarien tötete die Kältewelle mindestens 16 Menschen, größtenteils Dorfbewohner, die am Straßenrand oder in ihren ungeheizten Wohnungen starben, in Serbien war am Sonntag von neun Kältetoten und einem Vermissten die Rede.

Auch im Baltikum hat die Kältewelle weitere Menschen das Leben gekostet. In der Nacht zu Sonntag starb ein Mensch bei einem Brand im estnischen Ostseebad Pärnu, meldete das Nachrichtenportal "Delfi". Auch in weiteren Städten Estlands und in den anderen beiden baltischen Staaten Lettland und Litauen kam es am Wochenende zu zahlreichen Bränden. Dabei erlitten einige Menschen Brandverletzungen oder Rauchvergiftungen. Defekte Heizanlagen oder verunreinigte Schornsteine verursachten mehrere Brände.

Notstand im kroatischen Dalmatien

Die Kältewelle hat in Italien erste Menschenleben gekostet. In Ostia bei Rom erfror eine Obdachlose, wie die Behörden mitteilten. Zwei Menschen starben, als Dächer unter der Last des Schnees zusammenbrachen. Mindestens zwei Skifahrer kamen bei einem Lawinenabgang am Samstag in Südtirol ums Leben. Nach bis zu vier Verschütteten werde noch gesucht, berichtete "Südtirol Online". Die Schneemassen hätten die Skifahrergruppe am Nachmittag am Staller Sattel im Antholzertal begraben. Bergrettung und Rettungshelikopter beteiligten sich den Angaben zufolge an der Suche nach den Vermissten.

Bis zu 120.000 Menschen waren, überwiegend in Latium, zeitweise ohne Strom. Tausende blieben in Zügen oder im Straßenverkehr stecken. In Rom und anderen Städten wurden Soldaten eingesetzt, um die Straßen von Schnee und Eis zu befreien.

Nach der völlig ungewöhnlichen Kältewelle mit 30 Zentimetern Schnee an der südlichen kroatischen Adria wurde in Dalmatien der Notstand ausgerufen, wie das staatliche Fernsehen in Zagreb berichtete. In der größten Hafenstadt Split brach der Verkehr zusammen. Auf der Brücke zwischen der Hafenstadt Rijeka und der Insel Krk wurden Orkanböen mit bis zu 205 Kilometern pro Stunde gemessen. In den Ländern rund um die Adria kämpften Soldaten gegen den Schnee. Bereits am Samstag hatte die Regierung in Serbien mit den Vorbereitungen für den Ausnahmezustand begonnen.

In Bosniens Hauptstadt Sarajevo wurde eine Schneehöhe von einem Meter gemessen, auf den umliegenden Bergen waren es zwei Meter. In Sarajevo stellten die öffentlichen Verkehrsmittel ihren Betrieb ein. Nur die Hauptstraße und einige Straßen im Zentrum waren passierbar.

Gazprom: Keine baldige Ausweitung der Gaslieferungen

Auch in weiten Teilen Großbritanniens hat am Wochenende heftiger Schneefall den Straßen- und Flugverkehr behindert. Im Großraum London wurde der Flughafen in Stansted am Samstag zeitweise zur Schneeräumung geschlossen, wie der britische Rundfunksender BBC berichtete. In Heathrow wurden ein Drittel der geplanten Flüge am Sonntag abgesagt. Das Wetteramt habe seine Unwetterwarnung bekräftigt, hieß es.

Der russische Energiekonzern Gazprom schloss eine baldige Wiederausweitung der Gaslieferungen in die EU aus. "Gazprom kann die von unseren westeuropäischen Partnern geforderten zusätzlichen Liefermengen im Moment nicht zur Verfügung stellen", sagte Vizechef Alexander Kruglow. Die in den Verträgen mit EU-Staaten vereinbarten Mindestliefermengen würden jedoch eingehalten.

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, in Morgenroethe-Rautenkranz seien minus 38,3 Grad gemessen worden. Tatsächlich wurden minus 28,3 Grad gemessen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

siu/dapd/dpa/AFP

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