Frühling im Januar: Erster Maikäfer gesichtet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Frühling im Januar Erster Maikäfer gesichtet

Tief eingegraben im Boden verbringen sie gewöhnlich die kalten Januarwochen. Doch dieses Jahr ist alles anders: Erstmals seit hundert Jahren krabbelte im Babelsberger Park in Potsdam der erste Maikäfer aus der Erde. Die ungewöhnlich milden Temperaturen lockten ihn ans Tageslicht.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Potsdam - Eine Mitarbeiterin des Brandenburger Umweltamtes las das Feldmaikäfer-Männchen auf dem Parkboden auf. Derart frühe Vorkommen seien ihm bislang nicht bekannt, sagte Amtspräsident Matthias Freude. Der verfrühte Frühlingsbote findet nun vorerst in der Behörde Unterschlupf. Dort wird das Käfermännchen durchgefüttert, weil es draußen seine normale Kost - frische Laubblätter - noch nicht findet. "Wir bieten ihm Kirschblätter an", erzählte Freude. "Die guckt er sich jetzt ganz interessiert an, abgebissen hat er aber noch nicht."

Maikäfer wachsen als weißliche Larven, so genannte Engerlinge, im Boden heran. Wenn es wärmer wird, arbeiten sich die Tiere an die Erdoberfläche, um auf grünende Laubbäume zu krabbeln und sich von den neuen Trieben zu ernähren. In vielen Orten Deutschlands ist es derzeit schon so warm, dass die Käfer viel zu früh ans Tageslicht wandern.

"Aus unserer Sicht befinden wir uns schon im Vorfrühling", erklärte die Agrarmeteorologin Brigitte Klante vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Geisenheim. "Die Natur ist derzeit drei Wochen früher dran, als nach unseren Erfahrungen normal wäre." Auch Diplom-Meteorologe Kalli Nottrodt vom DWD in Offenbach sagte: "Es ist viel zu warm für Ende Januar - sicher gibt es noch einmal Temperaturrückschläge." Auch mit Schnee rechne er noch.

Doch am kommenden Wochenende bringt erst einmal das Atlantiktief "Lydia" noch mehr Warmluft nach Deutschland. Bis zu 18 Grad Celsius, "wenn alles optimal läuft, sogar 20", werden am Ober- und Niederrhein sowie im Kriechgau erwartet.