Frühlingsboten Bestes Flugwetter für Kraniche
Kraniche über Mecklenburg Vorpommern (Archivbild): Die Frühlingsboten kommen
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Und über Flächen, über Seen
Der Kranich nach der Heimat strebt.
Die Frühlingsboten kommen. Wie schon in Goethes Faust beschrieben, sind die Kraniche auch in diesem Jahr wieder von ihren südwesteuropäischen Überwinterungsplätzen auf dem Rückweg in ihre nordische Heimat. Für Wintermüde eine befreiende Nachricht: Sie bedeutet, dass es fürs Erste milder wird. "Kraniche fliegen bevorzugt bei Hochdruckwetter", beschreibt die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Kranich-Informationszentrums, Anne Kettner, das jährliche Phänomen.
Dem Hoch "Karin" verdanken wir also die Aussicht auf auf viel Sonne und frühlingshafte Temperaturen an diesem Wochenende - vor allem am Sonntag. Im Süden Deutschlands gab es in der vergangenen Nacht zwar noch Minusgrade - zum Beispiel elf Grad unter dem Gefrierpunkt in Oberstdorf - doch damit ist jetzt erst mal Schluss. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes soll es am Sonntag Höchsttemperaturen von bis zu 18 Grad, gegebenenfalls sogar 20 Grad, geben.
Die anstehende Wärme gefällt auch den Kranichen. Inzwischen sollen mehr als hundert Tiere im Nordosten von Deutschland eingetroffen sein. In den nächsten Tagen würden Tausende Graukraniche (Grus grus) erwartet. "Wir haben die Meldung, dass am 4. März über Zentralfrankreich rund 70.000 Tiere in Richtung Norden aufgebrochen sind", sagte der Leiter des Kranich-Informationszentrums, Günter Nowald. Diese Tiere würden in den nächsten Tagen in Deutschland erwartet und könnten dann auch bei ihren Balztänzen auf den Feldern im Nordosten beobachtet werden.
Beringte Kraniche geben Signale
Kraniche über Brandenburg (Archivbild): 70.000 Tiere auf dem Weg
Foto: Patrick Pleul/ dpaUnter den Rückkehrern ist auch Kranich "Sunny", der 2013 geboren und einen Sender erhalten habe. Jeden Tag erhalten die Kranich-Experten eine SMS über den Standort des Vogels. "Sunny", der in Frankreich überwinterte, überquerte am 23. Februar Luxemburg und traf am 4. März in seiner Sommerheimat, der Mecklenburgischen Seenplatte, ein.
"Wölkchen" - ebenfalls 2013 beringt - sei auch unterwegs, sagte Kettner. Das Männchen warte auf gutes Wetter zum Flug über die Pyrenäen. "Blacky", das dritte beringte Jungtier, hält sich noch im Überwinterungsgebiet in der spanischen Extremadura auf.
Nach ihrer Ankunft in Mecklenburg-Vorpommern beginnen die Kraniche mit den Balztänzen, bei denen sich die bis zu 1,20 Meter großen Tiere flügelschlagend und rufend umkreisen. "Obwohl die Paare ein Leben lang zusammenbleiben, festigen sie jedes Jahr mit den Balztänzen ihre Bindung", sagte Kettner.
Ab 14. März lädt das Kranich-Informationszentrum am Günzer See zur Beobachtung der Balztänze ein. Anders als beim Herbstzug versammeln sich im Frühjahr nicht alle Zugvögel auf den Feldern. "Die Tiere, die hier brüten und den Sommer über bleiben, verschwinden gleich in ihre Brutgebiete", sagte Kettner. Auf den Feldern zeigen sich dann nur die Tiere, die nach ihrer Rast weiter nach Skandinavien ziehen.
Die Zahl der in Deutschland brütenden Kraniche hat sich seit 1993 mehr als vervierfacht. Zählten die Fachleute vor 22 Jahren knapp 2000 Brutpaare in Deutschland, seien es jetzt knapp 8500, sagte Kettner. In Mecklenburg-Vorpommern leben rund 4000 Brutpaare. Als Ursache für den Anstieg nannte sie die besseren Umweltbedingungen: Ehemals trockengelegte Moore wurden wieder vernässt, weitere Feuchtgebiete entstanden. Damit sei für die Vögel, die ihre Gelege im Wasser ablegen, die Chance gestiegen, erfolgreich zu brüten.