Fukushima-Bericht: Als das Meer in den Atommeiler strömte - DER SPIEGEL
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Fukushima-Bericht Als das Meer in den Atommeiler strömte

Wer am 11. März 2011 im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Dienst hatte, wird diesen Tag nie vergessen. In einem Bericht schildern Tepco-Arbeiter nun erstmals, wie sie Erdbeben, Tsunami und Super-GAU erlebt haben. Sie sprechen von Hilflosigkeit, Angst - und geschmolzenen Stiefeln.
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Der Betreiber des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima hat Berichte von Arbeitern über die ausweglosen Momente während des Erdbebens und Tsunamis im März veröffentlicht. "Als einer der Arbeiter in den Raum rannte und rief 'Meerwasser strömt herein', begriff ich, dass ein Tsunami die Anlage getroffen hatte", wird ein Vorgesetzter in einem Kontrollraum in dem am Freitag vom AKW-Betreiber Tepco veröffentlichten Zwischenbericht zitiert.

Die Lichter seien ausgegangen, und er habe sich völlig hilflos gefühlt. Andere Arbeiter hätten sich ängstlich gezeigt und die Anlage angesichts der hoffnungslosen Situation verlassen wollen.

Mit dem Zwischenbericht werden erstmals Erfahrungsberichte von Fukushima-Arbeitern aus dem Atomkraftwerk öffentlich gemacht. Beschrieben werden unter anderem Versuche, Druck aus einem Reaktor zu lassen, um eine Kernschmelze zu verhindern.

Flucht auf die Hügel

Ein Arbeiter berichtet, wie er mit Kollegen in Schutzmontur in einen stark verstrahlten Bereich gegangen sei, junge Kollegen aber aufgrund der hohen Strahlung daran gehindert worden seien. Die Hitze sei so groß gewesen, dass seine Stiefel geschmolzen seien. Ein weiterer berichtet davon, dass die Belegschaft wegen der vielen Nachbeben immer wieder aus Angst vor einem weiteren Tsunami einen Hügel hochgerannt sei.

Das Erdbeben der Stärke 9 und der anschließende Tsunami vom 11. März legten die Elektrizitäts- und Kühlsysteme des Atomkraftwerks im Nordosten Japans lahm und hatten die schwerste Atomkatastrophe seit Tschernobyl vor 25 Jahren zur Folge.

Rund 20.000 Menschen kamen durch das Erdbeben und den Tsunami ums Leben. Durch den Atomunfall gab es zwar keine direkten Todesopfer, Zehntausende Menschen wurden jedoch obdachlos, da ganze Städte wegen der radioaktiven Strahlung unbewohnbar wurden.

jus/AFP