Fukushima: Strahlengrenzwerte in Schulen überschritten - DER SPIEGEL
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Fukushima: Kaiser im Katastrophengebiet

Foto: CARLOS BARRIA/ REUTERS

Fukushima Strahlengrenzwerte in Schulen überschritten

Mit schwerem Gerät tragen Arbeiter an Schulen und Kindergärten in der Stadt Koriyama die oberste Erdschicht ab. Grund für die Maßnahme: An mehreren Stellen im Boden war der Strahlengrenzwert für Kinder überschritten.
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Hamburg - Erst in der vergangenen Woche hatte Japan den Grenzwert neu festgelegt: 3,8 Mikrosievert pro Stunde beträgt die maximale Strahlendosis, der Kinder in Schulen und Kindergarten ausgesetzt sein dürfen. Dieser Wert wurde nun an mehreren Stellen im Boden in der Stadt Koriyama überschritten. Um Kindern weiter das Spielen im Freien zu ermöglichen, soll daher auf den Spielplätzen von 15 Schulen und 13 Kindergärten die oberste Erdschicht abgetragen werden.

Mit schwerem Gerät begannen Arbeiter laut der Nachrichtenagentur Kyodo am Mittwoch damit, Erde an einer ersten Grundschule und einem Kindergarten wegzuschaufeln. Der abgetragene Grund soll dem Bericht zufolge auf Deponien in der Stadt entsorgt werden. Koriyama liegt etwa 60 Kilometer westlich des havarierten AKW Fukushima I.

Im Unglücks-AKW bemühen sich die Einsatzkräfte weiterhin, die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Zuletzt waren deutlich erhöhte Werte für radioaktives Cäsium 134 und Cäsium 137 sowie für Jod 131 gemessen worden. Wie erst jetzt bekannt wurde, hat eine Arbeiterin Ende März im Kraftwerk Fukushima eine zu hohe Strahlendosis abbekommen. Der Wert sei mit 17,55 Millisievert mehr als dreimal so hoch gewesen wie der festgelegte Grenzwert von fünf Millisievert über einen Zeitraum von drei Monaten, zitierte Kyodo den AKW-Betreiber Tepco. Die Frau, die zwischen 50 und 60 Jahre alt sein soll, habe derzeit keine gesundheitlichen Probleme.

Tepco bedauerte den "Fehler" und räumte ein, dass die Überwachung der Angestellten genauer hätte sein müssen. Die erhöhte Belastung war erst aufgefallen, nachdem der AKW-Betreiber rückblickend die Strahlenwerte seiner Mitarbeiter untersucht hatte. Die Höchstwerte für Frauen liegen niedriger als für Männer wegen der möglichen Gefahren für Babys im Falle einer Schwangerschaft.

Fukushima-Helfer mit erhöhtem Krebs-Risiko

Zwei weitere Frauen seien vermutlich ebenfalls einer Strahlendosis oberhalb des Grenzwertes ausgesetzt gewesen, hieß es unter Berufung auf die nationale Atomsicherheitsbehörde Nisa. Noch sei unklar, wie es zu der Verstrahlung kam. Möglicherweise hätten die Arbeiterinnen stark radioaktiv belasteten Staub eingeatmet, berichtete die Nachrichtenagentur Jiji. Seit 23. März arbeiten demnach keine Frauen mehr an dem zerstörten Kraftwerk.

Kürzlich hatte Kyodo berichtet, dass mittlerweile 30 Fukushima-Helfer eine Strahlung von insgesamt mehr als 100 Millisievert abbekommen haben - damit ist ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, erhöht. Zum Vergleich: Für Mitarbeiter von Atomkraftwerken in Deutschland ist eine Strahlendosis von höchstens 20 Millisievert erlaubt - pro Jahr.

Wie Tepco mitteilte, wurde an Reaktor 1 bisher "kein bemerkenswerter Wasserausfluss" entdeckt. Das hätten die Untersuchungen mithilfe ferngesteuerter Roboter ergeben. Die Analyse werde aber noch fortgesetzt. Radioaktives Wasser ist derzeit das größte Problem im AKW Fukushima. Es behindert die Reparaturen am Kühlsystem und gefährdet die Arbeiter.

Der Sonderberater von Ministerpräsident Naoto Kan, Goshi Hosono, kritisierte den AKW-Betreiber scharf. "Tepco ist eine sehr konservative Gruppe, die keinen Wandel mag", sagte Hosono. "Die Vorbereitung Tepcos auf den Tsunami und den Verlust von Elektrizität sollte Gegenstand einer Untersuchung sein."

Kaiserpaar im Katastrophengebiet

Knapp sieben Wochen nach dem verheerenden Tsunami hat Japans Kaiserpaar das Katastrophengebiet an der Nordostküste besucht. Kaiser Akihito und Kaiserin Michiko trafen am Mittwochmorgen im Flugzeug auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Präfektur Miyagi ein, wie der Fernsehsender NHK berichtete. Der 77-jährige Kaiser verbeugte sich bei seiner Ankunft vor Rettungs- und Hilfskräften des Militärs.

Per Helikopter reiste das Paar weiter nach Minamisanriku. In der 20.000-Einwohner-Stadt zerstörte der Tsunami fast 4000 Häuser, rund 500 Leichen wurde bisher gefunden, mehr als 650 Einwohner werden noch vermisst. Das Kaiser-Ehepaar besuchte eine Notunterkunft in einer Schulturnhalle, in der 200 Flüchtlinge untergebracht sind. Nach offiziellen Angaben wollen Akihito und seine Frau am Montag die Präfektur Iwate und am 11. Mai die Präfektur Fukushima besuchen, in der das schwer beschädigte Atomkraftwerk Fukushima liegt.

hut/AFP/dpa