Ausnahmezustand: Fans in Madrid und Amsterdam
Fußball-Weltmeister Spanien Tore statt Tristesse
Sie saßen mitten auf der Straße, gehüllt in die spanische Nationalflagge. Um sie herum taumelten Massen von Menschen die Madrider Prachtstraße hoch, singend, grölend, trötend. Zehntausende, die "Campeones!" schrien, "Weltmeister!" Diese vier Spanier aber saßen einfach nur da, auf dem warmen Asphalt, und bestaunten den rot-gelb-roten Rausch. Spanien war Weltmeister. Das muss man erst mal verarbeiten.
Plötzlich war es wieder da: das lustige, feierfreudige, knallige Spanien. Vergessen die Euro-Krise, die Bauruinen und die Schlangen vor den Arbeitsämtern. Tore statt Tristesse. Hunderttausende feuerten bei fast 40 Grad auf der Madrider Fanmeile ihre Mannschaft an, und ich war mittendrin. Zugegeben, etwas geknickt, weil genau diese "rote Furie" die Deutschen aus dem Turnier geworfen hatte.
Aber Orakel Paul hatte das nun einmal prophezeit, und auch das Ergebnis des Finales stand damit ja schon fest: Spanien gewinnt. Entsprechend ehrfürchtig trugen die Madrilenen Kraken-Plakate durch die Stadt, gefolgt von tanzenden Toreros und in den Nationalfarben gewandeten Schoßhündchen.
116 Minuten mussten die Fans bangen, doch dann erlöste Andrés Iniesta die Menge mit seinem entscheidenden 1:0. Es waren nur Bruchteile von Sekunden, die Fiesta aber dauerte die ganze Nacht. Die Menschen warfen sich in Brunnen, tobten durch die Städte. Im Herzen von Madrid erklommen sie ein neun Meter hohes Reiterstandbild. Weil in so einem Moment nichts hoch genug ist.