Haben Sie einen Garten? Blumen auf dem Balkon oder eine Fensterbank, auf der Sie Kräuter ziehen? Dann wissen Sie ja, wie das ist, wenn man vom Grün geflasht wird. Auch, wenn man gar nicht damit rechnet.
Jeden Tag überquere ich auf meinem Weg zur Arbeit die Poggenmühlenbrücke in der Hamburger Speicherstadt. Vor zwei Jahren fiel mir am Rand der Brücke dieser Schacht auf, oder genauer: ein Farn, der in dem Schacht in einer Mauerritze Wurzeln geschlagen hatte. Es war September, und da unten im Halbdunkel grünte er also vor sich hin.
Dann kam der Winter. Das war ein langer, schier endlos scheinender Winter von 2012 auf 2013. Im Frühling lugte ich wieder in den Schacht - nichts, nur ein paar dürre Rumpelstilz-Fädchen, wo vor einem halben Jahr der Farn stattlich an der Wand geprangt hatte. Ach, schade, dachte ich - und hatte ihn damit zu früh abgeschrieben.
Denn ein paar Wochen später war er wieder da, fett und keck und wunderschön mit seinen hellgrünen Fächern auf dem Hamburger Backstein.
Manchmal überlege ich, ob ich ihn "retten" und in meinen lauschigen Dschungel daheim auf dem Land verpflanzen soll - beim Gärtnern überkommen einen ja hin und wieder solche "Herrin über Leben und Tod"-Anwandlungen. Würde er nicht gut passen ins brandneue "Aquarell"-Rosenbeet?
Jüngster Zuwachs im Gartenparadies: eine frischgepflanzte "Aquarell"-Rose
Foto: SPIEGEL ONLINEAber natürlich wäre es albern, den Farn umzusiedeln. Wenn mein Garten mich eines lehrt, dann dies: Lass die Natur! Sie findet einen Weg - aber eben ihren eigenen. Ein Rhododendron gedeiht nicht auf Sand, eine Hardenberg-Rose verkümmert im Dauerregen. Man kann als Gärtner nichts erzwingen, man muss annehmen, was die Natur einem anbietet - oder sehr listig mit ihr verhandeln. Und auf Knopfdruck passiert schon mal gar nichts.
Da ist zum Beispiel unsere alte Spiere, ein Zierstrauch, für den es übrigens Dutzende verschiedene Bezeichnungen zu geben scheint, bei uns daheim sagen wir "Spiraea" dazu.
Die Spiere 2008: Ganz hübsch, aber sie blühte immer nur verhalten
Foto: SPIEGEL ONLINEDie Spiere wollte ich schon aus dem Boden reißen, sie ist zu groß und arg verholzt. Außerdem wurde sie vor vielen Jahren direkt vors alte Fachwerkhaus gepflanzt, das auf der Westseite dringend renovierungsbedürftig ist (im Osten, Süden und Norden übrigens auch, aber das ist eine andere Geschichte) - man kommt dort aber kaum mehr heran, eben wegen des mittlerweile mächtigen Busches.
Hat sie geahnt, dass es ihr an den Kragen gehen soll? In diesem Frühjahr gab sie alles, sie blühte, als ginge es um ihr Leben. Kaskadenhaft beugten sich die schneeweißen Zweige gen Erde - jetzt sah auch ich, warum man diesen Pflanze "Brautspiere" nennt - und natürlich werde ich ihr nun kein Blättchen krümmen.
Derselbe Strauch im Mai 2014: Wow, was ist denn da passiert?
Foto: SPIEGEL ONLINEWie Sie mittlerweile garantiert gemerkt haben, schreibe ich hier als blutiger Laie vom schönsten Hobby der Welt, vom Gärtnern. Als ich vor ein paar Jahren mein 6000-Quadratmeter-Paradies in Norddeutschland erbte und anfing, es zu begrünen, beschloss ich, dass meine Ignoranz in botanischen Dingen mir dabei nicht im Weg stehen soll.
Und so gärtnere ich seitdem also mit der "trial and error"-Methode vor mich hin. Fast jedes Wochenende pendele ich ins Paradies und erlebe meine kleinen Wunder. Wo einst noch Asche war...
Das Steinbeet vor seiner Begrünung 2013: Was soll da hin?
Foto: SPIEGEL ONLINE...da blüht es nun!
Das Beet jetzt: Ich entschied mich für Lupinen, Katzenminze und Rittersporn und eine Hortensie
Foto: SPIEGEL ONLINEWenn Sie mehr erfahren möchten über die meine bunten Projekte, über die "trials", "errors" und Erfolge in meinem Garten - schauen Sie demnächst gern wieder in diesem Blog vorbei.