Marathon-Attentat in Boston: Gedenken an der Ziellinie
Gedenken in Boston "Uns gehört die Ziellinie"
Boston - 14.49 Uhr, Boston: Im strömenden Regen gedachten am Dienstag Tausende Menschen des Terroranschlags auf den Marathonlauf in der US-Ostküstenstadt vor einem Jahr. Zum Zeitpunkt des Attentats (20.49 Uhr MESZ) hissten Soldaten zum Gesang der Nationalhymne die US-Flagge. In ganz Boston läuteten die Kirchenglocken, am Anschlagsort ertönten Dudelsäcke.
An der Boylston Street, wo die beiden Sprengsätze vor einem Jahr im Abstand von wenigen Sekunden explodiert waren, hielten die Teilnehmer der bewegenden Trauerfeier eine Schweigeminute ab.
Zuvor waren bei der Gedenkfeier in einer Kongresshalle in der Bostoner Innenstadt viele Rettungskräfte, Überlebende sowie Angehörige von Opfern anwesend. Stolz blickten sie auf den Umgang ihrer Stadt mit dem Attentat zurück. Ähnlich wie New York nach dem 11. September 2001 sei Boston das "Gesicht von Amerikas Entschlossenheit" geworden, sagte Vizepräsident Joe Biden bei der Zeremonie: "Amerika wird sich nie und nimmer zurückziehen. Wir antworten. Wir halten aus. Wir überwinden. Und uns gehört die Ziellinie." Der diesjährige Marathonlauf am kommenden Montag werde Terroristen die Botschaft senden, "dass wir uns niemals wegducken werden", ergänzte der Vizepräsident
Am 15. April 2013 hatten die Brüder Tamerlan und Dschochar Zarnajew zwei Sprengsätze im Zielbereich des Marathons gezündet. Bei dem Attentat starben drei Menschen, rund 260 weitere wurden verletzt. Mehrere der Verwundeten verloren Arme und Beine. Auf ihrer Flucht erschoss das Brüderpaar einen Polizisten.
US-Präsident Barack Obama blieb am Jahrestag des ersten großen Anschlags in den USA seit der 9/11-Attacke im Weißen Haus in Washington. Der Präsident hielt mit seinen Beratern im Oval Office aber ein stilles Gedenken an die Opfer ab. In einer Erklärung lobte Obama den "unglaublichen Mut und die Führungsstärke so vieler Bostoner nach der unsäglichen Tragödie".
Ganz ohne Zwischenfälle lief der Jahrestag nicht ab: Nach dem Fund von zwei verdächtigen Rucksäcken wurde Alarm ausgelöst. Die beiden Taschen wurden wenige Stunden nach den Gedenkfeierlichkeiten im Zielbereich der Marathonstrecke entdeckt - genau dort, wo vor einem Jahr zwei Sprengsätze in Rucksäcken detonierten.
Wie die Polizei der Stadt beim Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte, zerstörten Experten eines Bombenentschärfungskommandos die Rucksäcke. Die Polizei sprach von einer Vorsichtsmaßnahme, die Rucksäcke waren aber offenbar harmlos. Ein verdächtiger Mann wurde festgenommen. Es handelt sich mutmaßlich um einen psychisch gestörten Mann. Ihm wird nach Angaben des Senders NBC Besitz einer Bombenattrappe und Randalieren vorgeworfen.