Geiler Frosch - DER SPIEGEL
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JUSTIZ Geiler Frosch

Ein Golfclub in Hagen warf einen Spieler aus dem Verein, der in einem Pornofilm mitgewirkt hatte - zu Unrecht, meinte das Landgericht. Nun droht weiterer Ärger.
• aus DER SPIEGEL 42/2000
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Bereut hat Axel Böckem seinen Ausflug ins Filmgeschäft zu keinem Zeitpunkt. »Einfach köstlich« findet der Mann aus dem westfälischen Hagen noch heute seine Performance.

Mit der blondierten Carmen aus Brandenburg durfte er auf einer grauen Ledercouch aufs Ganze gehen und kassierte dafür auch noch 150 Mark Gage. Das ist üblich bei den Billigheimern des Pornogeschäfts, die gern mit engagierten Amateuren drehen.

Dass Böckem, 56, mit seinen Hüftschwüngen und Handgriffen für die Leverkusener Bex-Film-Entertainment auch noch den »knöchrigen Spießern« seines Golfclubs die Fassung rauben konnte, bereitet ihm mindestens ebenso großes Vergnügen wie der bezahlte Akt. Nach seiner Gastrolle im Sexstreifen hatten ihn die Mitglieder vom edlen Märkischen Golfclub e. V. in Hagen zwar wegen vereinsschädigendem Verhalten aus dem Club geworfen. Doch der Laienschauspieler wehrte sich. Er prozessierte mehr als drei Jahre lang - mit Erfolg: Das Landgericht Hagen hob den Vereinsausschluss jetzt wieder auf.

Böckem sieht sich deshalb endgültig als moralischen Sieger über seine Clubkollegen: »Die Kerle haben das Recht mit Füssen getreten.« Nach dem Richterspruch muss er noch die Einspruchsfrist gegen das Urteil abwarten. Und dann, sagt Böckem, »wird wieder eingelocht - auf dem Golfplatz«.

Der Fall zeigt die Tücken des deutschen Rechts: Für Vereine ist es nicht so leicht, missliebige Mitglieder hinauszuwerfen. Vor Gericht müssen sie schon nachweisen, dass dem Club erheblicher Schaden entsteht. Dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gelang es so erst nach zähem Rechtsstreit, den bundesweit bekannten Rechtsextremisten Manfred Roeder loszuwerden.

Die feinen Damen und Herren vom Hagener Golfclub hatten ihrem lendenstarken Mitglied Böckem vor vier Jahren besonders übel genommen, dass er, so der Vereins-Anwalt, die sexuelle Potenz seiner Clubfreunde und der Golfsportler allgemein dargestellt und gepriesen habe.

»Ich habe extra meine Golfkrawatte angelegt«, hatte Böckem in den Paradise-Pictures-Studios seinerzeit seiner Gespielin Carmen entgegengeflötet. Der damalige Computerkaufmann war alsbald freilich nur noch mit bordeauxroten Socken bekleidet und gab sein Bestes. Nach der Arbeit war »Sextesterin« Carmen, so ihre Rolle in der schlichten Rahmenhandlung, entzückt: »Der Axel war eine richtige Granate.«

Ein Clubmitglied war auf das Werk aus der Reihe »Sextest Privateline« aufmerksam geworden und hatte den vermeintlichen Schmuddelstreifen im Clubheim zum Thema gemacht. Zu dem Zeitpunkt war Böckem zwar schon seit über 25 Jahren Mitglied. Nur, einigen Schlägerfreunden - besonders aus der Senioren- und der Damenabteilung - war er wegen seines lockeren Mundwerks immer suspekt.

Den Hardcore-Schauspieler traf nun die ganze Wut der feinen Gesellschaft: Er wurde zunächst von der Clubmeisterschaft ausgeschlossen, seines Amtes als Pressesprecher enthoben, schließlich verwies ihn der Vorstand im November 1996 des Geländes. Die Mitgliederversammlung schloss sich vier Monate später mit 152 zu 16 Stimmen dem Votum ihrer Führung an.

Doch quälten sich die Hagener Golfer anschließend redlich, juristisch wasserdichte Argumente zu finden, warum Böckem in ihren Reihen nicht mehr tragbar sei. Hauptvorwurf schlussendlich: Mit Eigenbezeichnungen wie »geiler Frosch« habe der Pornostar von Hagen den Vereinsfrieden gestört, mit der ganzen Affäre habe der Verein ungewollte Öffentlichkeit erfahren.

Das Landgericht Hagen hatte zunächst Verständnis für die Hohn und Spott leidenden Golf-Freunde. Es verwehrte Böckem, dessen Computerladen zwischenzeitlich pleite gegangen ist, Prozesskostenhilfe. Grund: Der Verein habe durch die Pornoaffäre in der Öffentlichkeit »Schaden an seinem Ansehen« erlitten«. Das Oberlandesgericht Hamm wies indes dem Club erhebliche Formfehler nach. Und, »dass sich der Inhalt des Pornofilms im Club herumgesprochen habe, begründet keinen Verstoß, erst recht keinen groben und beharrlichen«.

Als es jetzt vor dem Landgericht Hagen um die Hauptsache ging, trat der Golfclub gar nicht mehr an - und kassierte ein Versäumnisurteil. »Die haben gekniffen«, spottet Böckem. Zu dem Thema, sagt Golfer-Präsident Felix Doerr zugeknöpft, »gebe ich überhaupt keine Stellungnahme mehr ab«.

So geht die Posse um Porno-Böckem in die nächste Runde. Denn trotz Carmen - Golf ist für den Mann mit der barocken Leibesfülle die wahre Leidenschaft seines Lebens geblieben, er schmachtet geradezu nach dem ersten Abschlag vom Grün.

Als nächstes will er als Sozialhilfeempfänger deshalb die Reduzierung seiner Beiträge beantragen. Erneuter Ärger, denn für das Club-Image ist ein offiziell Armer sicher nicht gut. Und die ersten Kapitel eines Buches über die Erfahrungen in seiner Heimat hat der Kaufmann auch schon fertig. Arbeitstitel: »Dallas und Denver sind nichts gegen Hagen.« UDO LUDWIG

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