Geisel-Odyssee: Osthoff musste neunmal Versteck wechseln - DER SPIEGEL
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Geisel-Odyssee Osthoff musste neunmal Versteck wechseln

Die Entführung der Deutschen Susanne Osthoff war nach Informationen des SPIEGEL äußerst strapaziös. Neunmal hätten die Entführer mit ihr die Unterkunft gewechselt. Die Archäologin soll von den Ereignissen schwer traumatisiert sein.
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Berlin - In einer ersten Aussage berichtete Osthoff nach Informationen des SPIEGEL, sie sei in einem Kofferraum in ein Versteck gebracht und die gesamte Zeit im Großraum Bagdad gefangen gehalten worden.

Inzwischen haben deutsche Ermittler offenbar eine Spur zu einem möglichen Drahtzieher der Entführung. Als verdächtig gilt vor allem der Bagdader Scheich Dschamal al-Duleimi. Duleimi hatte Osthoff Wagen und Fahrer für die Reise am 25. November nach Arbil besorgt und sich später als Vermittler angeboten. Laut ARD soll der Stamm der Duleimi mehrheitlich dem sunnitischen Widerstand gegen die jetzige Regierung angehören.

Auch der Fahrer, Chalid al-Schimani, wird durch Aussagen Osthoffs nach ihrer Freilassung belastet. SPIEGEL-Informationen zufolge wird der Verdacht aus Sicht deutscher Beamter dadurch genährt, dass weder der Fahrer noch Scheich Duleimi seit dem Ende des Geiseldramas auffindbar sind.

Bei den Verhandlungen nutzte der Krisenstab insgesamt drei Vermittler. Zum Erfolg führten letztlich die Bemühungen eines irakischen Scheichs namens Chut, der über einen Mittelsmann Kontakt zu den Entführern hielt. Durch eine Frage nach einem Verwandten stellte der Krisenstab sicher, dass die Kidnapper tatsächlich Osthoff in ihrer Gewalt hatten.

Kidnapper setzten Osthoff schwer zu

Nach Angaben des Magazins "Focus" sei die Frau durch die Erlebnisse "schwer traumatisiert". In der Gefangenschaft hatten die Kidnapper nach Informationen des SPIEGEL der Aufbauhelferin schwer zugesetzt. "Sie hat in der Geiselhaft abgekriegt, aber auch ausgeteilt", heißt es in Sicherheitskreisen. Osthoff habe sich nicht unterkriegen lassen.

Die Freilassung Osthoffs zeichnete sich bereits am Freitagnachmittag vergangener Woche ab; zuvor hatten die strengen Sicherheitsvorkehrungen während der Wahlen eine schnelle Übergabe unmöglich gemacht. Am Sonntagmorgen wurde die Geisel schließlich freigelassen, gegen 10.30 Uhr erreichte Osthoff die deutsche Botschaft.

Die gebürtige Bayerin sei entführt worden, weil sie als Spionin westlicher Geheimdienste angesehen worden sei, meldet "Focus". Als die Geiselnehmer ihren Irrtum erkannten, seien die Verhandlungen um die Freilassung der Archäologin ins Rollen gekommen. Zuletzt sei es den Entführern nur noch darum gegangen, "das Gesicht zu wahren", zitiert das Blatt einen deutschen Unterhändler.

Unterdessen hat Susanne Osthoff den Irak verlassen. Wohin sie gereist ist, wollte das Auswärtige Amt nicht mitteilen. Osthoff hatte die Diplomaten gebeten, erstmal ein paar "ruhige Tage" mit ihrer Tochter verbringen zu dürfen. Demnach fürchtet sich die Frau, die 23 Tage in der Hand von Entführern war, vor dem Rummel um ihre Person.