Geiseldrama: Die Truppen stehen bereit - DER SPIEGEL
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Geiseldrama Die Truppen stehen bereit

Zur Befreiung der entführten amerikanischen Geisel auf Jolo will die philippinische Regierung notfalls auch Gewalt einsetzen. Die Militärlösung wird erwogen, weil die Abu-Sayyaf-Rebellen mit der Enthauptung von Jeffrey Schilling gedroht haben.
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Manila - Präsidentensprecher Ricardo Puno sagte am Donnerstag in Manila, wenn alle friedlichen Mittel ausgeschöpft seien, müsse den Umständen entsprechend gehandelt werden. Zuvor hatte Präsidentenberater Ronaldo Zamora gesagt, es werde derzeit auch eine Militärlösung erwogen. Die Entführer fordern, die USA müssten drei wegen des Anschlags auf das New Yorker World Trade Center verurteilte islamische Terroristen freilassen.

Schilling wird auf Jolo von einer anderen Gruppierung innerhalb der Abu Sayyaf gefangen gehalten als die übrigen dort noch festgehaltenen sieben Geiseln. Die US-Regierung hat jeden Handel mit der Abu Sayyaf ausgeschlossen und die Philippinen mit den Verhandlungen beauftragt.

"Man kann zum jetzigen Zeitpunkt keine Option (zur Lösung des Geiseldramas) ausschließen, sagte Puno auf Reporterfragen, ob eine Militäraktion möglich sei. Die Regierung werde sich bei ihrem Vorgehen von den Umständen leiten lassen. Es sei jedenfalls nicht damit getan, "auf die schnelle Tour" einen Angriff auf das Rebellenlager zu starten. "Es gibt viele Möglichkeiten, eine Katze zu häuten", fügte er hinzu. Ein Militärsprecher sagte, die Armee stehe zum Eingreifen bereit, falls es keine friedliche Lösung gebe.

Verteidigungsminister Orlando Mercado lehnte unterdessen ein Angebot der Geiselnehmer ab, unter Beteiligung vier weiterer Staaten zu verhandeln. Dieses Ansinnen sei weltfremd. Die Geiselnehmer hatten verlangt, dass an Verhandlungen neben den Philippinen und den USA auch Vertreter Chinas, Iraks, Libyens und Nordkoreas teilnehmen. "Wenn sie alle diese Länder zusammen haben wollen, sollten sie vielleicht zu den Olympischen Spielen fahren", sagte Mercado.

Seine Einheiten warteten nur auf Befehle des philippinischen Präsidenten Joseph Estrada, sagte der Militärchef für den Wehrbereich Süd, General Diomedio Villanueva. Derzeit werde eine friedliche Lösung angestrebt, doch seine Truppen ständen bereit, einzuschreiten. Präsidentenberater Zamora sagte, die Regierung bereite derzeit Empfehlungen an Estrada vor.

Bei der Geiselnahme der Familie Wallert und 18 weiterer zumeist ausländischer Geiseln hatte die philippinische Regierung auf Druck der Heimatländer der Verschleppten auf eine gewaltsame Lösung verzichtet. Mehrfach hatten sich jedoch Freilassungen einzelner Geiseln wegen starker Militärpräsenz in der Nähe des Geisellagers verzögert. Mit Hilfe Libyens sind die meisten dieser Geiseln inzwischen freigekommen. Die Freilassung der verbliebenen sieben Gefangenen wird nach Angaben von Vermittlern in der kommenden Woche erwartet.

Mit dem Lösegeld für die Freilassung ausländischer Geiseln haben die Rebellen nach Angaben örtlicher Sicherheitskreise stark aufgerüstet. So sollen sie Granatwerfer, Sturmgewehre, ein Schnellboot und Motorräder gekauft haben. Wegen der guten Ausrüstung der zudem zahlenmäßig überlegenen Rebellen gehen Offiziere und Regierungskreise davon aus, dass ein Angriff der Armee auf beiden Seiten viele Tote fordern würde.

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