Geiseldrama Ein Gesprächsmarathon beginnt
Jolo/Cotabato - Die Geiselnehmer haben nach Angaben der Unterhändler moderate politische Forderungen gestellt, die nun Präsident Joseph Estrada vorgelegt werden sollen. Farukh Hussain, einer der vier Vermittler, sagte am Sonntag, die Verhandlungen mit den Geiselnehmern seien in sehr entspannter Atmosphäre abgelaufen, ihre Forderungen seien "ganz moderat". Das bestätigte auch der libysche Unterhändler Radschab Assaruk. Ein Treffen mit Estrada wurde am Sonntag oder Montag erwartet, weitere Gespräche mit den Entführern am Mittwoch. Entgegen den Erwartungen der Unterhändler wurde die erkrankte Deutsche Renate Wallert nicht freigelassen.
Damit befinden sich noch alle 21 Geiseln in der Gewalt ihrer Entführer. Sie waren Ostern verschleppt worden. Unter ihnen sind drei Deutsche aus Göttingen. Nach Assaruks Worten geht es der 57-jährigen Renate Wallert, die an Bluthochdruck leidet, inzwischen deutlich besser. Sie habe Medikamente erhalten.
Assaruk bestätigte, dass die Geiselnehmer den Abzug der Armee aus der Region fordern. Aus Kreisen der Vermittler verlautete zudem, sie wollten ein Fischereiverbot für Ausländer in der Region um Süd-Mindanao sowie die Anerkennung einer vor 24 Jahren geschlossenen Autonomie-Vereinbarung für die moslemische Minderheit im Süden der Philippinen. Nach Ansicht der moslemischen Rebellen ist das 1976 in der libyschen Hauptstadt Tripolis geschlossene Abkommen nicht richtig umgesetzt worden. Forderungen nach Lösegeld seien bislang nicht gestellt worden, sagte Hussain. Er ist einer der Anführer der moslemischen Nationalen Befreiungsfront der Moros (MNLF), die 1996 eine Friedensvereinbarung mit der Regierung schloss. Assaruk war früher Botschafter Libyens auf den Philippinen.
Vermisste Journalisten wieder aufgetaucht
Für Verwirrung sorgten am Wochenende Meldung über verschwundene ausländische Journalisten, die sich angeblich auf den Weg zu den Geiselnehmern gemacht hatten. Ihr Auto war verlassen aufgefunden worden. Einige tauchten später wieder auf und sagten, sie hätten nur eine Fahrt gemacht. Ob einige bis zu den Geiselnehmern gelangt waren, blieb zunächst unklar. Über die Zahl der vermissten Journalisten gab es widersprüchliche Informationen. Anfangs hieß es, zwölf seien verschwunden gewesen und acht wieder aufgetaucht. Später sagte der Polizeichef in Jolo, fünf der wieder aufgetauchten würden nicht zu den zwölf ursprünglich Vermissten gehören. "Ich bin genauso verwirrt wie sie", erklärte er auf Fragen von Journalisten.
In fast 400 Kilometer Entfernung von Jolo auf der südlichen Insel Mindanao nahmen Moslem-Separatisten der Gruppe MILF nach Militärangaben fast 200 Menschen vorübergehend als Geiseln. Später hätten sie sich aus dem von ihnen besetzten Dorf wieder zurückgezogen. Ein Sprecher der MILF sagte dagegen, seine Gruppe habe keine Geiseln genommen. Möglicherweise seien die Bewohner durch die Gefechte zwischen Regierung und den Rebellen eingeschlossen worden.
Die zehn Touristen und elf weitere Geiseln waren am 23. April von Abu Sayyaf (Vater des Schwertes) von der malaysischen Insel Sipadan auf die philippinische Insel Jolo verschleppt worden. Die Islamisten kämpfen wie die MILF auf den überwiegend katholischen Philippinen für einen Moslem-Staat auf Mindanao. Bei Gefechten zwischen dem Militär und Abu-Sayyaf-Kämpfern in anderen Teilen des Landes in den vergangenen Wochen wurden mindestens sechs Geiseln einer anderen Gruppe getötet.