Geiseldrama Entführer wollen Belagerungsring durchbrechen
Jolo - Der philippinische Verteidigungsminister Orlando Mercado sagte am Donnerstag, alle 21 Geiseln seien noch am Leben und in der Gewalt der Abu-Sayyaf-Gruppe. Er widersprach damit Berichten über eine Flucht von zwei Geiseln. Mercado zufolge teilten die Entführer die Geiseln in fünf Gruppen auf. Jede dieser Gruppen versuche, sich durch die Umzingelung durch etwa 2000 Soldaten zu kämpfen. Dabei habe es vereinzelte Schusswechsel gegeben. Die Entführer hätten festgestellt, dass der Ring recht eng gezogen und verstärkt worden sei.
Einem Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge feuerte das Militär die Nacht hindurch alle 30 Minuten Granaten ab. Der Beschuss sei so gesteuert worden, dass für die Geiseln keine Gefahr bestehe, sagte ein Oberst der philippinischen Armee.
Über das Schicksal der Geiseln gab es keine verlässlichen Angaben. Der örtliche Rundfunksender DZMM berichtete von zwei weißen Geiseln, denen am Vortag die Flucht gelungen sein soll. Der Gouverneur Abdusakur Tan nannte den Bericht falsch. Auch Mercado sagte, er könne ihn nicht bestätigen. DZMM hatte nach einem Schusswechseln in der Nacht zum Mittwoch vom Tod zweier Geiseln berichtet. Auch dieser Bericht wurde nicht bestätigt.
Die Bundesregierung sprach von widersprüchlichen Informationen über die Verschleppten. Bundeskanzler Gerhard Schröder appellierte in Berlin an die philippinische Regierung, das Leben der Entführten nicht zu gefährden. "Alle Menschen in Deutschland sind mit ihren Herzen bei den Geiseln und unterstützen die Bemühungen, sie zu retten," sagte Schröder in Berlin. Dem Asienbeauftragten der Bundesregierung, Cornelius Sommer, zufolge gibt es keine Anhaltspunkte für eine Militäraktion zur Beendigung des Geiseldramas.