Geiseldrama im Pazifik: Militärs drohen mit Eingreifen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Geiseldrama im Pazifik Militärs drohen mit Eingreifen

Im Geiseldrama um die aus Malaysia verschleppten Urlauber ist ein schnelles Ende nicht in Sicht. Der philippinische Präsident Joseph Estrada lehnte eine Lösegeldforderung der Moslemrebellen von 2,4 Millionen Dollar kategorisch ab. Trotzdem soll es zu einem ersten Kontakt mit den Entführern gekommen sein.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Manila/Jolo - Zwei Unterhändler seien bereits am Donnerstag auf die philippinische Insel Jolo gereist und hätten einen ersten Kontakt zu der Rebellengruppe "Abu Sayyaf" hergestellt, sagte Nur Misuari. Der ehemalige Rebellenanführer und jetzige Regierungschef einer halbautonomen Moslem-Region im Süden der Philippinen wurde von Estrada zum Chefermittler ernannt. Er verspreche sich von den Verhandlungen keine Wunder, so Misuari. Er sei überzeugt, dass die Entführer ihre Geiseln mit "Zähnen und Klauen" verteidigen würden. Man müsse sich auf Überraschungen einstellen.

Die Unterhändler hätten die meisten der zehn Malaysier und elf ausländischen Touristen gesehen, sie seien wohlauf, sagte Misuari. Er bestätigten zudem, dass acht malaysische Geiseln freigelassen werden sollten. Dies sei aber gescheitert, weil ein Bootsmotor gestreikt habe.

Die philippinische Armee drohte mit einem Eingreifen, sollten Verhandlungen zur Befreiung der Urlauber scheitern. "Wir müssen mit dieser Gruppe fertig werden und werden auch die ganze Härte des Gesetzes anwenden", sagte der Vize-Stabschef der Streitkräfte, Generalleutnant Jose Calimlim. Derzeit seien aber keine militärischen Operationen geplant, um nicht die Kontaktaufnahme zu den Moslemrebellen zu gefährden.

Die 21 vor fünf Tagen von den malaysischen Urlaubsinseln Sipadan verschleppten Einheimischen und Touristen - unter ihnen eine dreiköpfige Familie aus Göttingen - sind nach Polizeiangaben in drei Gruppen aufgeteilt. Sie bewegten sich zwischen mehreren Orten auf Jolo, sagte der Polizeichef der Provinz, Candido Casimiro.