Geiseldrama "Manche denken über Selbstmord nach"
Jolo - Die Chefin des Gesundheitsamts auf der südlichen Insel Jolo, Nelsa Amin, brachte vier Kisten mit Wasserflaschen, Essen und Handtüchern zu den 21 Entführten. Die Medikamente waren von einem deutschen Mediziner-Team bereit gestellt worden. Verhandlungen mit den Kidnappern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf sollen frühestens an diesem Freitag beginnen.
Unter den Geiseln wächst unterdessen die Anspannung. Vor Journalisten forderten sie erneut, die Verhandlungen voranzutreiben. "Es gibt einige unter den Geiseln, die nervlich wirklich sehr leiden", sagte der Finne Mirko Johannen Risto. "Sie haben Albträume. Und manche denken wirklich über Selbstmord nach."
Die Entführten könnten sich inzwischen rund um das Versteck der Kidnapper relativ frei bewegen, berichtete die in Singapur erscheinende Zeitung "The Straits Times". Bilder zeigten einige von ihnen, wie sie sich über einem Lagerfeuer Fische braten, lesen oder Karten spielen. Wasser schöpften sie aus einem Brunnen, etwa 30 Meter von den beiden Bambushütten entfernt, in denen sie festgehalten werden. "Wir sind noch immer schwach, müde und hungrig", sagte eine Geisel.
Verhandlungen mit den Kidnappern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf sollen frühestens an diesem Freitag beginnen. Die philippinische Regierung geht inzwischen davon aus, dass die Entführer Lösegeld verlangen werden. "Wir müssen das realistisch sehen", sagte Regierungssprecher Ricardo Puno. "Ich glaube, wenn wir Forderungen über Lösegeld erhalten, werden wir darüber reden müssen."
Bislang sind nur politische Forderungen der Geiselnehmer bekannt geworden. Sie verlangen einen eigenen islamischen Staat im Süden der Philippinen und eine Untersuchung von angeblichen Gräueltaten an Moslems in der malaysischen Provinz Sabah.