Geiseldrama Renate Wallert nach zwölf Wochen frei
Berlin/Jolo - Aus Kreisen der philippinischen Unterhändler heißt es, für Frau Wallert sei ein Millionen-Lösegeld geflossen. Demzufolge wurden den Kidnappern zwei schwarze Taschen mit insgesamt 43 Millionen Pesos (fast zwei Millionen Mark) übergeben. Die Regierung in Manila bestreitet allerdings jegliche Zahlung. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte dazu lediglich: "Wir haben alle notwendigen Schritte zur Freilassung unternommen." Außenminister Joschka Fischer selbst sagte auf entsprechende Fragen nur knapp: "Kein Kommentar." Der Asien-Beauftragte der Bundesregierung, Cornelius Sommer, erklärte im NDR, es sei kein Lösegeld gezahlt worden.
Die Reaktion der Bundesregierung und der niedersächsische Landesregierung auf die Freilassung der Göttingerin war freudig und erleichtert. "Wir freuen uns sehr darüber", sagte Fischer am Montag in Berlin. Allerdings sei man nach wie vor in großer Sorge um das Schicksal der noch Entführten. Man werde weiter an einer friedlichen Lösung arbeiten und den philippinischen Unterhändler mit Nachdruck unterstützen.
Bundeskanzler Gerhard Schröder bedankte sich bei Fischer und dem Auswärtigen Amt. Fischer, Frankreichs Außenminister Hubert Védrine und sein finnischer Amtskollege Erkki Tuomioja hatten in der vergangenen Woche mit der philippinischen Regierung über Möglichkeiten für eine friedliche Beendigung des Geiseldramas gesprochen.
Mit Erleichterung reagierte auch die niedersächsische Landesregierung. "Wir freuen uns sehr über die Freilassung. Das kann aber nur ein erster Schritt sein", sagte Regierungssprecher Volker Benke. Auch Renate Wallerts Mann Werner und ihr Sohn Marc müssten nun schnell freigelassen werden.
Die Rebellen hatten Renate Wallert am Morgen dem Chefunterhändler Roberto Aventajado übergeben. "Ich bin so glücklich, frei zu sein", sagte sie in einem kurzen Statement vor Journalisten auf Jolo. Sie wurde ausgerechnet an ihrem 34. Hochzeitstag von ihrem Mann getrennt. Zunächst hatte sie sich geweigert, das Dschungelcamp ohne ihren Mann und ihren Sohn zu verlassen. Inzwischen ist die 56-Jährige nach Manila geflogen worden. Dort wird sie ärztlich untersucht. Nach bisherigen Informationen soll sie noch heute ein Flugzeug nach Deutschland besteigen und morgen in Frankfurt am Main landen.
Die Musiklehrerin hatte während ihrer 85-tägigen Geiselhaft stark gelitten. Ärzte stellten bei ihr unter anderem Bluthochdruck und chronische Angstzustände fest. Sie ist die erste europäische Geisel, die von der Moslemgruppe Abu Sayyaf wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Ihre Freilassung könnte der Wendepunkt in dem Drama sein.