Geiseldrama Schwerer Rückschlag bei Verhandlungen
Jolo - Die zehn Geiseln aus westlichen Ländern - darunter die deutsche Lehrerfamilie Wallert - wurden an einen unbekannten Ort gebracht, die übrigen asiatischen Gefangenen blieben in dem kürzlich ausgebauten Lager im Dschungel der südphilippinischen Insel Jolo.
Die deutsche Botschaft in Manila sprach von einer ernsten Lage, in der die Sicherheit der Geiseln gefährdet erscheine. Wie Unterhändler berichteten, wollen die Entführer von der Moslemgruppe Abu Sayyaf nicht mehr mit Aventajado verhandeln, weil dieser eine militärische Befreiungsaktion nicht ausgeschlossen habe. In einer Erklärung von Abu Sayyaf wurden Aventajados Äußerungen als unverantwortlich bezeichnet. Bei jedem militärischen Befreiungsversuch sei das Leben der Geiseln im höchsten Grade gefährdet, warnten die Entführer. Aventajado sagte am Samstag, seine Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden. Weder prüfe noch befürworte die Regierung eine bewaffnete Lösung des Geiseldramas.
Dennoch riss am Samstag der Gesprächsfaden nicht völlig ab. In einer von Hunderten von Guerillas bewachten Moschee trafen der libysche Gesandte Abdul Radschab Assaruk und Faruk Hussein mit Abu-Sayyaf-Führern zusammen. `Wir müssen von vorne anfangen", sagte Hussein. `Das ist eine sehr traurige Entwicklung." Assaruk sagte nach dem Treffen: `Die Gespräche gehen weiter, aber es ist sehr hart." Die Rebellen hätten ihre Forderung nach einem unabhängigen moslemischen Staat bekräftigt. Die Regierung in Manila hat wiederholt jede Abspaltung von den Philippinen abgelehnt.
Die am Samstag im bekannten Versteck der Abu Sayyaf eingetroffenen Ärzte konnten nur die verbliebenen elf Geiseln behandeln. Am Donnerstag hatte ein Arzt gefordert, dass der Franzose Stephane Loisy unbedingt in ein Krankenhaus gebracht werden müsse. Mehrere Geiseln drohten mit Selbstmord. Sie wurden am 23. April von einer malaysischen Urlauberinsel nach Jolo verschleppt.