Geiseldrama "Werner schrieb immer nur Tagebuch"
Die Französin Sonia Wendling, 34, packte in der Zeitschrift "Paris Match" aus: "Einer der Finnen hat für uns oft gekocht, einer hat abgewaschen. Alle halfen mit, wenn wir uns wieder mal ein neues Lager bauen mussten. Werner und Renate Wallert haben so gut wie nie mitgeholfen. Werner schrieb immer nur an seinem Tagebuch", berichtete sie. "Für ihn war alles ein großes Abenteuer. Diese Geschichte war sein Dukatenesel - er hatte sie bereits an eine Zeitschrift verkauft."
Werner Wallert hatte schon während der Geiselhaft auf der philippinischen Insel Jolo einen Vorvertrag mit dem Magazin "Stern". Sohn Dirk, 27, kassiert angeblich bei einem Privatsender, und auch das ZDF soll an die Göttinger Familie zahlen.
Doch jetzt sollen die Wallerts etwas von dem Geld abgeben. "Werner Wallert hat Geld mit unserem Leid verdient. Ich will etwas davon ab. Ich überlege, ihn zu verklagen", zitiert die "Bild"-Zeitung Sonia Wendlings Freund Stéphane Loisy, 34.
Das Auswärtige Amt lässt es noch offen, ob es von den Wallerts die Auslagen bei der Befreiung der Geiseln zurückhaben will. Zu "gegebener Zeit" würden alle Aspekte auf der Grundlage der besonderen Umstände des Einzelfalles geprüft, sagte Andreas Michaelis, Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die Wallerts hätten "in den vergangenen Monaten Furchtbares durchlitten. Wir sind dankbar und froh, dass die Familie Wallert gesund und wohlbehalten wieder zu Hause in Deutschland ist."