Geiseldrama Wieder alle Hoffnungen geplatzt
Jolo - Zum wiederholten Male haben Truppenbewegungen der philippinischen Armee den Beginn der Verhandlungen verzögert. Ein Fehler in der Befehlsübermittlung sei es gewesen, der Soldaten zu nahe an den Aufenthaltsort der 21 Geiseln herangeführt habe, erklärte der Unterhändler Faruk Hussein. Es sei sofort ein Vermittler losgeschickt worden, um die Entführer von der Moslemgruppe Abu Sayyaf zu beruhigen. Chefunterhändler Robert Aventajado sagte, die Rebellen hätten sich in mehrere Gruppen aufgeteilt. Nachdem alle kontaktiert wurden, sei es am Freitag zu spät für ein Treffen gewesen. Er geht davon aus, dass der Samstag der Tag der Entscheidung sein werde, erklärte der Präsidentenberater.
Aventajado sagte weiter, die Strategie der Regierung für die Verhandlungen habe sich geändert. Sie wolle nun nicht mehr die vorzeitige Freilassung der beiden kranken Geiseln erreichen. Der Zustand der Deutschen Renate Wallert habe sich verbessert, der erkrankte Franzose sei geheilt, begründete der Präsidentenberater das Umschwenken. Nunmehr sollten alle 21 Entführten zugleich freibekommen werden.
Die Gespräche mit den Geiselnehmern sollten am Freitag in dem Ort Talipao beginnen, der als Hochburg der Gruppe Abu Sayyaf gilt. Die Geiseln, darunter drei Deutsche, waren vor mehr als einem Monat von einer malaysischen Ferieninsel verschleppt worden. Trotz der wiederholten Verzögerungen, kleineren Gefechten mit der Armee und den Wechseln in der Verhandlungsmannschaft der Regierung gab es ständig zumindest informelle Gespräche.
Nach außen hin vertritt Abu Sayyaf die Forderung nach einem unabhängigen Staat für die Moslems auf den Philippinen. Nicht wenige halten die Gruppe aber für Banditen, denen es vor allem um das Lösegeld gehe. Wie es heißt, werden für die Geiseln rund zwei Millionen Dollar gefordert. Die politischen Forderungen hat Präsident Joseph Estrada als völlig unannehmbar zurückgewiesen.