Geiseldrama Wieder ein Fünkchen Hoffnung
Jolo - "Es ist ermutigend, dass es jetzt einen geregelten Verhandlungskanal gibt", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Es sei sicher gestellt, dass die Geiseln, unter ihnen drei Deutsche, regelmäßig Pakete mit Nahrung und Medikamenten erhielten. Am Montag solle auf der Insel Jolo ein deutscher Arzt eintreffen, der sich für eine Freilassung der Geiseln bereit halte, sagte der Sprecher.
Die Geiseln durften nach Angaben von Chefunterhändler Roberto Aventajado mit einem mitgebrachten Satellitentelefon bei ihren Angehörigen anrufen. Nach den rund achtstündigen Gesprächen zweier Unterhändler mit den Kidnappern der militanten Moslemgruppe Abu Sayyaf am Samstag war frühestens für Montag ein weiteres Treffen geplant. Die Entführer wollen dann ihre Forderungen schriftlich vorlegen. An dem Gespräch will auch Aventajado teilnehmen. Zum Schutz der Unterhändler steht eine 250 Mann starke Polizeitruppe bereit.
Aus Polizeikreisen hieß es, das Treffen solle an einem geheimen Ort in der Nähe der Stadt Patikul stattfinden, etwa zwölf Kilometer vom Dschungelversteck mit den Geiseln entfernt. Dort werden in zwei Bambushütten außer drei Mitgliedern der Göttinger Familie Wallert auch zwei Franzosen, zwei Finnen, zwei Südafrikaner, zwei Filipinos, eine Libanesin und neun Malaysier festgehalten. Sie waren Ostern von der malaysischen Taucherinsel Sipadan verschleppt worden.
Die Vermittler Rajab Azzarouk und Farouk Hussein berichteten, nach ihrem Eindruck vom Samstag seien die 57 Jahre alte Renate Wallert aus Göttingen wie auch die anderen Geiseln wohlauf. Die Entführten erhielten mittlerweile vom Vater der ebenfalls verschleppten Libanesin Marie Moarbes Bücher, Zeitschriften und Spiele. Seine Tochter habe ihm den Erhalt am Samstag in einem kurzen Telefonat bestätigt, erklärte der Anwalt Michel Moarbes der französischen Sonntagszeitung "Le Journal du Dimanche" in Manila.
Der Bombenterror auf den Philippinen ging auch am Wochenende weiter. Am Sonntag explodierte in Manila ein Sprengsatz in einer belebten Einkaufspassage und tötete einen 24-Jährige, mindestens zwölf Menschen wurden verletzt. Die offenbar selbstgebaute Bombe sei trotz verschärfter Sicherheitsvorkehrungen in der Damentoilette eines Kinos hochgegangen, sagte ein Polizeisprecher in der Hauptstadt.