Geiseln abgereist Wallert auf dem Weg zu Gaddafi
Cebu - Das philippinische Fernsehen zeigte, wie eine vierstrahlige weiße libysche Chartermaschine Richtung Tripolis abhob. Sechs freigelassene Geiseln sind an Bord. In Tripolis ist ein Treffen mit Revolutionsführer Muammar el-Gaddafi geplant. Libyen hat nach Angaben philippinischer Unterhändler pro Geisel ein Lösegeld von einer Million Dollar (rund 2,17 Millionen Mark) gezahlt. Libyens Botschafter Saleem Adam wies Anschuldigungen zurück, sein Land wolle durch die Vermittlung im Geiseldrama sein Ansehen verbessern. "Dies ist eine humanitäre Mission. Eine andere Motivation gibt es nicht", sagte Adam.
Mit einer Ankunft Wallerts in Deutschland wird frühestens am Dienstagmittag, wahrscheinlich aber erst später im Laufe des Tages in Niedersachsen gerechnet. Dies verlautete aus der niedersächsischen Staatskanzlei in Hannover. Der Erdkundelehrer aus Göttingen werde aus Libyen kommend am Flughafen Hannover-Langenhagen in einen Hubschrauber umsteigen und anschließend "zu einem Ort seiner Wahl, der nicht bekannt gegeben wird, geflogen werden", sagte Regierungssprecher Michael Linkersdörfer.
Wenn Werner Wallert nach Göttingen zurückkehrt, wird er im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gegen seine Entführer im Auftrag der Göttinger Staatsanwaltschaft verhört. Der Sprecher der Behörde, Hans-Hugo Heimgärtner, sagte, das werde voraussichtlich eine Spezialabteilung des Bundeskriminalamtes in Wiesbaden übernehmen. "Wann dies sein wird, wissen wir noch nicht. Das hängt vor allem von Wallerts Gesundheitszustand ab."
Wallerts Ehefrau Renate sei bereits von den Spezialisten befragt worden. Das Ermittlungsverfahren war von der Göttinger Staatsanwaltschaft bereits kurz nach der Entführung der Göttinger Geiseln eingeleitet worden. Es richtet sich gegen alle Mitglieder der Entführungsgruppe.
Renate Wallert hält sich zurzeit noch an einem geheimen Ort auf.