Geiselnahme in Ägypten Behörden verhandeln mit Entführer
Kairo - Danach könnten die vier Deutschen möglicherweise schon bis zum Mittwochmorgen oder im Laufe des Vormittags freikommen, hieß es aus Sicherheitskreisen in Kairo.
Hochrangige ägyptische Sicherheitsoffiziere hatten am späten Dienstagabend das Versteck des Geiselnehmers gefunden. Der bewaffnete Reiseleiter hält die Urlauber aus Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen in einem Quartier in Luxor nahe dem weltberühmten Tempel von Karnak fest, um die Rückkehr seiner beiden Söhne aus Deutschland zu erzwingen. Die Umstände der Entführung sind weiterhin unklar. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes geht es den vier Geiseln den Umständen entsprechend gut.
In der oberägyptischen Tempelstadt Luxor halten sich seit Dienstagabend auch der Nahost-Beauftragte der Bundesregierung sowie ein Vertreter des Bundeskriminalamtes auf. Der 45-jährige Geiselnehmer gilt als psychisch instabil und emotional erregbar. Der Mann hat die deutschen Behörden für die Geiselnahme verantwortlich gemacht. Ägyptischen Sicherheitskreisen zufolge sagte er, vor neun Monaten habe die Schwester seiner geschiedenen Ehefrau die Kinder aus Ägypten mit nach Deutschland genommen. Sie habe ihm gesagt, seine in der Bundesrepublik lebende Ex-Frau sei schwer krank. Er habe nicht gewusst, dass für die beiden Söhne, die die ägyptische Staatsbürgerschaft besitzen, zuvor deutsche Pässe vorbereitet worden seien.
Außenminister Fischer will die GSG 9 nach Ägypten schicken
Der Mann behauptet, bei der deutschen Botschaft in Kairo mehrfach um ein Besuchsvisum nach Deutschland "gebettelt" zu haben. Er habe jetzt nicht mehr weiter gewusst. Der Geiselnehmer ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes mit einer Handfeuerwaffe und "granatenartigen Gegenständen" bewaffnet. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) habe nach Rücksprache mit Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) angeboten, die Spezialeinheit des Bundesgrenzschutzes, die GSG 9, nach Ägypten zu entsenden. Auf dieses Angebot seien die Ägypter aber nicht eingegangen.
Bei dem Täter soll es sich um einen Mann namens Mussa Ibrahim handeln. Er soll fließend Deutsch sprechen. Personen, die das Ehepaar seit längerer Zeit kennen, sprechen von einem Familiendrama. Die Frau war nach der Scheidung nach Deutschland zurückgekehrt. Im islamischen Ägypten kann ein geschiedener muslimischer Vater
darauf bestehen, dass ihm die Söhne im Alter ab zwölf und die Töchter ab 14 Jahren von der Mutter übergeben werden.