Geiselnahme in Malaysia: Entführer fordern Millionen-Lösegeld - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Geiselnahme in Malaysia Entführer fordern Millionen-Lösegeld

Die von der malaysischen Insel Sipadan verschleppten Touristen sind in kleine Gruppen aufgeteilt und in den Süden der Philippinen gebracht worden. Die Geiselnehmer haben inzwischen ihre Forderungen benannt. Eine gewaltsame Befreiungsaktion will die philippinische Regierung nicht starten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Kuala Lumpur - Die Entführer verlangen ein Lösegeld von umgerechnet 1,5 Millionen Mark. Das teilte der Gouverneur der südlichen Philippinen-Insel Mindanao, Nur Misuari, am Mittwochabend in einem Fernsehinterview mit. Er wurde vom philippinischen Präsidenten Joseph Estrada zum Sondervermittler in dem Geiseldrama ernannt. Bei den anstehenden Verhandlungen sollen auch Journalisten beteiligt sein.

Misuari sagte, die Forderungen der Geiselnehmer seien sowohl finanzieller wie auch politischer Art. Für die kommenden Gespräche könne er keine Wunder versprechen. "Aber ich war schon an einer Reihe Verhandlungen in Geiselnahmen beteiligt, und bisher habe ich noch nie einen Fehler gemacht."

Nach drei Tagen Ungewissheit waren die verschleppten Urlauber, darunter eine Familie aus Göttingen, am Mittwoch im Süden der Philippinen aufgespürt worden. Sie seien in der Hand der extremistischen Moslemgruppe Abu Sayyaf, aber offenbar wohlauf, teilten Armee und Behörden mit. Nach den Angaben wurden die Geiseln auf dem Sulu-Archipel in Gruppen aufgeteilt. Der Außenminister der Philippinen, Domingo Siazon, schloss eine Militäraktion zur Befreiung der Geiseln vorerst aus. "Die Sicherheit der Geiseln hat für uns die höchste Priorität."

Den Entführten gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte der stellvertretende Stabschef der philippinischen Streitkräfte, Generalleutnant Jose Calimlim. "Einer meiner Leute war dort." Nach Zeitungsberichten soll allerdings eine finnische Geisel an einem blutigen Geschwür leiden. Die meisten Geiseln sollen mit dem Abu-Sayyaf-Kommandeur in Sulu nahe der Stadt Talipao unterwegs sein.

Nach ihrer Entführung von der Ferieninsel Sipadan vor der Ostküste Borneos waren die Geiseln Behördenangaben zufolge erst auf die nahen Tawi-Tawi-Inseln gebracht worden. Später hätten die Kidnapper sie dann auf das etwa 70 Kilometer entfernte Sulu-Archipel transportiert, rund 1000 Kilometer südlich der Hauptstadt Manila. An der Entführung sollen 30 Abu-Sayyaf-Kämpfer beteiligt sein.

Die Urlauber waren am Sonntag überfallen worden. Die als Polizisten getarnten Geiselnehmer hatten die Touristen beim Abendessen überrascht und sie mit Waffengewalt gezwungen, in zwei Schnellboote zu steigen. Dann stachen sie in Richtung der Philippinen in See, deren Gewässer sich in nur 90 Minuten erreichen lassen.

Neben der dreiköpfigen Familie Wallert aus Göttingen sind auch zahlreiche andere ausländische Touristen in der Hand der Geiselgangster, unter ihnen Franzosen, Finnen und Südafrikaner. Mehrere Hotelangestellte, die zufällig am Ort der Entführung waren, wurden ebenfalls von den mit Schnellfeuergewehren bewaffneten Männern verschleppt.