Geiselnahme von Waiblingen Richterin erlässt Haftbefehl
Waiblingen - Der 16-Jährige wird in ein nicht genanntes Jugendgefängnis eingeliefert. Er hatte am Freitagabend über Stunden mehrere Schüler in einer Waiblinger Schule in seiner Gewalt gehalten, bevor er am Abend seine beiden letzten Geiseln unversehrt frei ließ.
Bereits in der ersten Vernehmung hatte der Geiselnehmer ein umfassendes Geständnis abgelegt. Nach Angaben eines Polizeisprechers vom Samstag sagte der 16-Jährige, er habe sich erst während der Tat überlegt, ein Lösegeld zu fordern. Während des Unterrichts in der Computer-Arbeitsgemeinschaft habe der 16-Jährige eine Waffe gezogen. Nach eigenem Bekunden habe er sich dann vier Jungen gezielt ausgesucht, die mit ihm in der Klasse bleiben mussten. "Er will sich diejenigen herausgesucht haben, die ihm auf Grund ihrer persönlichen Verfassung in der Lage schienen, die Situation zu bewältigen", sagte der Sprecher.
Obwohl der Jugendliche schon seit Monaten nicht mehr an der Schule im Waiblinger Ortsteil Neustadt unterrichtet wurde, könne von einem rechtswidrigem Eindringen in das Gebäude nicht gesprochen werden, denn der Junge nahm - wenn auch nicht regelmäßig - als Schüler an der Computer AG teil.
Der Geiselnehmer hatte über Handy selbst Kontakt zu der Polizei gesucht, nachdem zuvor bereits freigelassene Schüler die Beamten informiert hatten. "Der Täter selbst hatte sich nach eigenen Angaben auf eine längere Geiselnahme eingerichtet", sagte der Sprecher. Er habe vorsorglich Wasser und ein Sanitätspäckchen dabei gehabt.
Nach Angaben des Rektors der Friedensschule hatte sich der Jugendliche schon vormittags in der Schule aufgehalten und sich bei Lehrern und dem Hausmeister nach der für den Computerunterricht zuständigen Lehrerin erkundigt. Dies sei aber nicht weiter aufgefallen, da er öfters in seine ehemalige Schule gekommen sei und auch deren Homepage im Internet mit gestaltete.
Der Schulleiter sieht als Motiv für die Tat den "Wunsch nach Anerkennung". Der Täter, der als kleines Kind von einer Waiblinger Familie adoptiert wurde, habe in zwei Welten gelebt: "In der Realität und in seiner Traumwelt." Nach Angaben der Schule war der Geiselnehmer nicht von der Schule geflogen. Er habe vielmehr auf Grund eines Wohnsitzwechsels die Schule in Neustadt freiwillig verlassen und sei zuletzt auf eine Waiblinger Schule gegangen.
Erneut bestätigte die Polizei, dass der Jugendliche in den Gesprächen mit den Beamten einen ruhigen und gefassten Eindruck gemacht habe. Auch habe er die mit ihm eingeschlossenen Kinder gut behandelt. "Er gab ihnen zu trinken, als sie Durst hatten und bestellte Pizza, als sie hungrig wurden", sagte der Sprecher.
Der 16-Jährige soll gegen Mittag dem Haftrichter vorgeführt werden.