Geistiger Fingerabdruck - DER SPIEGEL
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SACHBUCH Geistiger Fingerabdruck

• aus DER SPIEGEL 28/2002
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Intelligenz, glaubt der Psychologe Howard Gardner, sei zu wichtig, um sie den Psychologen zu überlassen - beziehungsweise, um sie durch die klassischen Test-Raster zu zerren. Denn im »Würgegriff der IQ-Traditionalisten« würde das Verständnis für diese wichtigste aller menschlichen Eigenschaften erstickt. Das konnte (und kann) Gardner nicht mit ansehen. Nach seinem Hauptwerk »Abschied vom IQ«, in den USA vor knapp 20 Jahren erschienen, legt der Harvard-Professor jetzt ein Nachfolge-Buch vor: »Intelligenzen. Die Vielfalt des menschlichen Geistes« heißt die passend zur Pisa-Debatte erschienene deutsche Ausgabe, in der Gardner seine Theorie der Multiplen Intelligenz erweitert und vertieft. Jeder Mensch, so seine These, habe ein individuelles Intelligenz-Profil: Zur sprachlichen und logisch-mathematischen Intelligenz kommen die räumliche, die musikalische, die körperlich-kinästhetische, die spirituelle, die naturkundliche, die inter- und intrapersonale sowie die Lebensintelligenz hinzu. Emotionale Intelligenz hingegen, der Verkaufsschlager seines Deutungskonkurrenten Daniel Goleman, zählt Gardner nicht dazu. Emotionalität könne alle Intelligenzen begleiten. Nicht alles ist neu, was Gardner berichtet. Trotzdem überzeugt das Buch durch klare Sprache und einen bunt gespickten Anhang. Die geplagten Kultusminister können sich hier Trost und Anregung holen.

Howard Gardner: »Intelligenzen. Die Vielfalt des menschlichenGeistes«. Klett-Cotta, Stuttgart 2002; 336 Seiten; 20 Euro.

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