Geliebte Jungs - DER SPIEGEL
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PARTNERSCHAFT Geliebte Jungs

Ältere Männer mit jungen Gefährtinnen entsprechen dem hergebrachten Beziehungsmuster. Kehren nun Frauen, die sich offen zu jüngeren Partnern bekennen, einfach die Geschlechterrollen um? Tatsächlich erwarten ältere Frauen vom jüngeren Mann eine reifere Partnerschaft.
• aus DER SPIEGEL 48/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Sie war der größte Star ihres Landes und bekannt in aller Welt. Sie war verliebt. Der Mann war jung, er war schön, er wollte sie heiraten. Die perfekte Liebesgeschichte? Keineswegs.

Edith Piaf quälte sich. Soll sie, soll sie nicht? Seite um Seite schildert die französische Chansonette in ihren Memoiren ("Mein Leben") ihre Zweifel: Die Gefühle zum griechischem Beau Théo Sarapo stimmen, er behandelt sie gut. Wenn, ja wenn diese beiden Zahlen nicht wären: »47...27, mein Alter und das von Théo, 47...27«.

Sie, für allerlei gesellschaftliche Tumulte berüchtigt, zittert und bibbert nun vor einem »Skandal«. Und sie zählt geradezu peinlich genau die Komplexe auf, die sie - die Berühmte, ehemalige Gefährtin und Kollegin von Maurice Chevalier, Yves Montand, Charles Aznavour und Eddie Constantine - gegenüber dem unbekannten Sohn eines Friseurs empfand.

»Ich hatte das Gefühl, dass mir die Fähigkeiten fehlten, um eine gute Ehefrau abzugeben. Ich habe es nie verstanden, mich um den Haushalt zu kümmern.«

Die Piaf wird ihren Théo heiraten. Doch noch Stunden vor der Hochzeit will sie alles hinschmeißen. Die Fotos des Ereignisses sprechen eine eindeutige Sprache: Sichtlich verschreckt lässt sich die Braut am 9. Oktober 1962 trauen.

Die Ehe sollte nicht lange halten, doch dafür konnten die frisch Vermählten nichts: Die Piaf hatte nur noch ein Jahr zu leben.

Im Herbst 2000 hat die Klatschpresse ähnlich beziehungsreichen Stoff üppig im Angebot. Die bunten Nachrichten der vergangenen beiden Wochen: Die Schauspielerin Hannelore Hoger, 59, hat einen neuen Freund, Siegfried Gerlich, süße 34. »Bo Derek liebt jetzt voll im neuen Trend: reife Frau und junger Mann«, verkündet »Bild«. Die 44-Jährige »zeigt sich oft und gern mit dem jungen Anthony Pinson, 34«. Die Sängerin Cher, 54, tat sich wieder mit einem bereits abgelegten Liebhaber zusammen, dem Ex-Kellner Rob Camiletti, 34 - und ließ sich mit dem Seufzer zitieren: »Ich hatte seit sechs Jahren keinen Sex mehr.«

Auch wenn diese Paare in den Verkündigungsinterviews ein viel größeres Selbstbewusstsein markieren als die Probandin Piaf (Hannelore Hoger etwa sagt, der Altersunterschied sei für sie kaum ein Problem), ist das Misstrauen gegenüber diesen Beziehungen groß.

Die »Bunte« führt ein scheinbar besorgtes Interview mit Cleo Kretschmer, 49, die mit einem 22 Jahre jüngeren Dressman liiert ist: »Ein so attraktiver Mann zieht Mädchen an wie das Licht die Motten«, mahnt das Blatt und warnt die Schauspielerin davor, ausgenutzt zu werden: Die Beziehung werde womöglich nur gut gehen, »bis er erfolgreich ist und sie verlässt«. »Kann das gut gehen?«, fragt die gleiche Zeitschrift mit Blick auf die Schauspielerin Karin Baal, 60: »Sie heiratete einen Kurden. Er ist 30 Jahre jünger.«

Die Promi-Frauen, so lautet der mal implizit, mal explizit geäußerte Vorwurf, imitierten lediglich das unselige Macho-Muster ihrer männlichen Kollegen: Sie schmückten sich im gesetzten Alter mit etwas Hübschem - und die Hübschen sähen eine prima Gelegenheit, ihre eigene Karriere zu fördern.

Tatsächlich könnten Klatschspaltenleser an der Seriosität dieser Beziehungen schon mal zweifeln, wenn etwa die Schauspielerin Ingrid van Bergen, 68, ihre Verlobung mit dem 36-jährigen Kunstmaler Johannes Adamski per »Bild« mit so kostbaren Worten wie »Hase ist goldig« kommentiert.

Doch nichtsdestoweniger ärgern sich Damen, die einen Jüngeren lieben, heftiger über die Misstrauensvoten der Gesellschaft als gleichaltrige Sugardaddys - der Schauspieler Michael Douglas, 56, scherte sich kein bisschen um zweideutige Bemerkungen angesichts seiner Eheschließung mit der 31-jährigen Catherine Zeta-Jones.

Hannelore Hoger indes sagt, sie sei in der Tat auf Ressentiments vorbereitet, »weil Frauen ja nicht dürfen, was Männer im gesetzten Alter geradezu als Pflicht empfinden. Nämlich in der Drittehe eine möglichst junge Frau zu heiraten«.

Doch dass es sich bei den Beziehungen zu jüngeren Männern nicht immer nur um Schmuck- und Stückwerk handelt, dafür liefern selbst die als flatterhaft verschrienen Showbusiness-Wesen reichlich Belege: Popstar Madonna, 42, hat ein Kind mit dem zehn Jahre jüngeren Regisseur Guy Ritchie, sie behauptet unentwegt, dass er der Mann sei, auf den sie ein Leben lang gewartet habe, dass sie ihn womöglich heirate. Das muss nicht stimmen, für einen Funken Substanz in Madonnas Schwärmerei spricht aber, dass sie bei Ritchies Vorgänger, dem ebenfalls jüngeren Carlos Leon, immer zugegeben hat, dass sie ihn nur für eine Übergangsphase vorgesehen habe.

Ebenfalls Eltern und Verkünder großer Zukunftshoffnungen sind die Moderatorin Birgit Schrowange, 42, und ihr RTL-Kollege Markus Lanz, 31.

»Der englische Patient«-Darsteller Ralph Fiennes, 37, scheint es auch ernst zu meinen: Er ließ sich wegen der älteren Kollegin Francesca Annis, 54, von seiner gleichaltrigen Ehefrau scheiden.

Als Dauer-Seller gilt die Verbindung zwischen Tina Turner, 61, und dem Deutschen Erwin Bach, 44. Die beiden lernten sich Mitte der achtziger Jahre kennen, als er Marketing-Chef ihrer Plattenfirma war. Ihm zuliebe zog die Diva nach Europa.

Der US-Star Bette Midler, 54, liebt es auch jung, teutonisch und haltbar: Sie führt seit 16 Jahren mit dem fünf Jahre jüngeren Fotografen Martin von Haselberg, 49, eine Ehe ohne Skandale.

Oscar-Preisträgerin Susan Sarandon, 54, ist seit 12 Jahren mit dem 12 Jahre jüngeren Film-Star Tim Robbins liiert, das Paar hat zwei Kinder: Ziemlich wütend pariert Sarandon Fragen über ihre Liebe zu dem jüngeren Mann: »Wie kann es bloß angehen, dass es für viele Männer fast ein Tabu ist, mit einer erwachsenen Frau zu schlafen, die Krähenfüße um die Augen hat, während sie kaum Gewissensbisse plagen, wenn sie mit einer 14-Jährigen ins Bett gehen.«

Dass Frauen auf das Gerontofach des notorisch älteren Mannes festgelegt sind, daran sind sie allerdings nicht ganz unschuldig. Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass weibliche Wesen bei ihrer Partnerwahl auffällig oft nach Ansehen und Reichtum Ausschau halten - und wann hat der Mann Macht und Mäuse? So leid es ihm selbst oft tut: erst, wenn er älter ist.

Die Fixierung auf die grauen Wohlstandsschläfen ist historisch antrainiert: Im Mittelalter etwa herrschte strammes Stände- und Zunftwesen. Junge Gesellen mussten ihren Meister um Erlaubnis fragen, wenn sie heiraten wollten: Die Erlaubnis erhielten sie in der Regel nur, wenn sie nachwiesen, dass sie für die Frau auch sorgen konnten. Bis es so weit war, hatten sie bereits etliche Arbeitsjahre auf dem Buckel. Die Erwählte dagegen sollte bei ihrer Trauung tunlichst jung sein, um möglichst viele Kinder zu bekommen. Kinder sicherten das Erbe und die Pflege der Alten. Je länger die Phase der Fruchtbarkeit, so hoffte man, desto zahlreicher die Brut. Wirtschaftliche Erwägungen erlaubten auch mal das umgekehrte Altersgefälle: Die Meisterswitwe nahm den frischen Gesellen, damit der Betrieb erhalten blieb. Dem Ideal entsprachen diese Verbindungen aber nicht.

An diesen Mustern änderte sich nicht viel, als das Bürgertum im 18. und 19. Jahrhundert die Liebe als Voraussetzung der Ehe erfand und empfahl. Gemeint war immer noch die Liebe des reifen Mannes zum lieblichen Fräulein.

Frauen, die gegen dieses ungeschriebene Gesetz verstießen - die Dichterin George Sand etwa, die zehn Jahre lang den sechs Jahre jüngeren Komponisten Frédéric Chopin liebte -, galten als Mannweiber und Lotterwesen. Die Lästerei war groß, ganz nach dem Motto: Erlaubt ist nur, was den anderen gefällt.

Es liegt wohl an dieser Mischung aus bravem Anpassungswillen und eiskaltem Wohlstandkalkül, dass Frauen in den vergangenen Jahrhunderten offenbar den Tunnelblick trainiert haben. Jüngere Männer, die sich durchaus für ältere Frauen interessieren, beklagen, dass sie von diesen kaum beachtet würden.

Das wissenschaftliche Interesse an der Partnerschaft zwischen älteren Frauen und jüngeren Männern ist auffallend gering. Zu den wenigen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben, zählt die Soziologin Ursula Richter. In einer Publikation stellt sie fest, dass Frauen häufig keine feste Beziehung, sondern lediglich eine Affäre mit dem jüngeren Mann wollen*. Wenn aus dem vagen Techtelmechtel dann doch Liebe wird, sind sie es, die arge Probleme haben, den properen Kerl den Freunden vorzustellen: Sie finden ihn nicht repräsentativ genug.

Die Stewardess Susanne, heute 40, erinnert sich noch, wie sie vor fünf Jahren das erste Mal ihren damals 24-jährigen Freund zu einem Essen im größeren Kreis mitnahm - da war das Paar ein halbes Jahr zusammen. Ihr Freund war bei der Marine, gehörte einem (dem Alter entsprechenden) niederen Dienstgrad an. Der Gastgeber arbeitete ausgerechnet auch bei der Marine, war ein ziemlich hoher Offizier. Susannes Freund fühlte sich unterlegen und bockte den ganzen Abend - der Horror für seine Freundin. Auf dem Nachhauseweg gab es Krach, beide schämten sich: sie sich für ihn und er sich für sich.

Bei einem umgekehrten Geschlechterverhältnis (älterer Mann stellt seine junge Frau vor) wäre der Streit wahrscheinlich ausgeblieben. Dass eine jüngere Frau schüchtern ist, wenn sie einer älteren Vorgesetzten begegnet, wird nicht selten sogar erwartet, einem Kerl verlangt man mehr Mumm ab.

Susanne und ihr Freund gaben nicht auf. Sie ist zu seinen Freunden mitgekommen, er zu ihren. Beide verhalten sich heute bei diesen Anlässen, wie sie nun einmal sind - reine Trainingssache. Der Lauf der Zeit spielte in diesem Fall eher für das Paar: Der Mann ist inzwischen Polizist und glücklich in seinem Job, zumindest innerhalb der Beziehung gibt es kein Statusgefälle mehr.

Gut für sie, denn einem konsequenten Tausch traditioneller Rollenmuster (ältere Frau liebt Mann, der im Job dauerhaft unterlegen ist) halten viele Paare nicht stand - Emanzipation hin oder her, noch sitzen die Muster tief.

Die 29-jährige Verlagsangestellte Jessica hatte unlängst eine Affäre mit einem 19-Jährigen. Sie fing diese Amour aus Gründen an, die älteren Männern wohlbekannt sind: »Ich fand ihn wunderschön, und er hat mich in seiner Jugend irgendwie gerührt, er war noch so begeisterungsfähig. Ich habe in ihm mein eigenes, jüngeres Ich gesehen.«

Als der junge Mann merkte, dass die Geliebte mehr an den Insignien seiner Jugend interessiert war als an seiner Person, dass sie vieles, was er sagte, eher niedlich als erheblich fand, hat er, zutiefst verletzt, die Affäre beendet. Die Geliebte: »Ich war ein weiblicher Macho und er das Objekt meiner Begierde, das hat er nicht ertragen.« Er kehrte schnurstracks zu seiner drei Jahre jüngeren Freundin zurück und markierte vor ihr den ganzen Kerl.

Den traditionell weiblichen Part - finanziell und erfahrungsmäßig unterlegen - empfinden Männer offenbar als demütigend. Paare, bei denen die Frauen älter sind als die Männer, vollziehen also - anders als das Klischee es will - lieber keinen Rollentausch. Im Gegenteil: Die Männer bestehen auffällig oft darauf, sich ganz und gar nicht jünger zu fühlen als ihre älteren Partnerinnen.

»Eigentlich müsste ich die Mütterliche in unserer Beziehung sein und Sigi wie der Sohn, den ich nie hatte. Aber es ist umge-

kehrt. Ich bin eher seine Kleine. Und der Sigi ist der Paps«, sagt Hannelore Hoger im »Bunte«-Interview.

Der 37-jährige Bauunternehmer Peter ist seit zehn Jahren mit einer sieben Jahre älteren Frau liiert, inzwischen auch verheiratet. Sie hat aus erster Ehe drei Kinder, mit Peter zusammen keinen Nachwuchs. Als sie sich kennen lernten, war er ein 24-jähriger Student, sie eine 31-jährige Mutter. Dennoch behauptet er, sich »zu keinem Zeitpunkt der Beziehung jünger gefühlt zu haben als sie«. Allerdings, so gibt er zu, mag die Beziehung zu der älteren Frau ihn angetrieben haben, seine Karriere voranzubringen. Er baute schnell und erfolgreich ein Unternehmen auf, wurde der Versorger in der Beziehung. Er verpflichtete sich im Ehevertrag, für die Ausbildung ihrer Kinder aufzukommen. Kein Zweifel also, wer hier die traditionelle Rolle übernommen hat.

Schon Edith Piafs Théo, künstlerisch eher minderbegabt, bemühte sich, die Rolle des Überlegenen einzunehmen. Als er bei der Hochzeit männerbündlerisch befragt wurde, warum er um Gottes Willen eine so alte Frau eheliche, sagte er altklug: »Edith hat einen Charakter wie ein Kind.« Die Antwort hatte ihm die Piaf selbst eingeflüstert.

Auch in der Literatur sind solcherlei Umkehrungen dokumentiert. Thomas Mann etwa malt sich in seinem Josephs-Roman das Verhältnis des Joseph zur deutlich älteren Frau seines Herrn aus: Mut-em-enet, die Frau Potiphars, stellt Joseph rasend vor Liebe und ziemlich töricht nach. Joseph redet beschwichtigend auf sie ein: »Liebes Kind«, nennt er sie.

Wenn die Frau schon älter ist, muss der Mann wenigstens dem gefühlten Alter nach gleichziehen - sonst wäre die Irritation für alle Beteiligten zu groß.

Frauen scheinen sich nicht, wie umgekehrt Männer sehr oft, durch die Bindung an einen Jüngeren selbst verjüngen zu wollen. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Sie suchen - paradoxe Logik der Liebe - bei dem jüngeren Mann die reifere Beziehung.

Frauen mit jüngeren Männern haben nicht selten eine Bindung zu einem sehr viel älteren Partner hinter sich und äußern sich darüber eher genervt. Auffällig oft schreiben sie den Daddys Attribute zu wie: »war zu sehr mit sich beschäftigt«, »hört nicht zu« . Das Verhältnis zum Jüngeren schildern sie beinahe stereotyp mit Sätzen wie: »Ich fühle mich besser wahrgenommen.«

Auch wenn jüngere Männer - um Rollenkonflikte zu vermeiden - selten ihre Karriere zu Gunsten der älteren Frau vernachlässigen, sind sie anscheinend oftmals fürsorglicher als ihre älteren Mitstreiter. Und wer sich kümmert, punktet.

Eine 45-jährige Ärztin, die eine Ehe mit einem 15 Jahre älteren Mann geführt hat und nun einen 38-jährigen Kollegen liebt: »Es ist ja auch klar, was mich gerade beschäftigte, hatte mein Mann hinter sich. Von meinen Ängsten beim Berufsanfang wollte er nichts wissen. Ich glaube, er wollte nicht an seine eigenen Anfänge erinnert werden. Für meinen jüngeren Freund ist vieles, was ich zu erzählen habe, spannend. Das genieße ich.«

Die 40-jährige Hebamme Birgit Dencker meint mit Blick auf die Generation der 20 Jahre älteren Männer: »Die sind im Krieg geboren, wurden überwiegend allein von Frauen erzogen. Meine Erfahrung ist: Sie wissen - auch wenn sie sehr klug sind - nicht gut über Beziehungen Bescheid. Die Vorbilder fehlten.«

Sie sei überrascht gewesen, als sie feststellte, dass jüngere Männer in Beziehungsfragen bewusster und artikulationsfähiger seien als ihre erheblich älteren Geschlechtsgenossen. Die Jüngeren sind mit den unendlichen Psycho-Diskussionen der siebziger und achtziger Jahre aufgewachsen - irgendetwas musste da ja hängen bleiben.

Dencker hat noch andere irritierende Erfahrungen gemacht: Ältere und gleichaltrige Männer schienen dauernd an ihre mütterlichen Seiten zu appellieren. Sie beklagten sich über Krankheiten, wollten mit ihr zusammen Kücheneinrichtungen aussuchen - und lockten mit dem wenig verlockenden Argument: »Vielleicht magst du dich in die neue Küche ja bald selbst reinstellen.« Jüngere Männer hingegen bemühten sich, so Dencker, die Mami-Mechanismen zu vermeiden - vielleicht um bloß nicht als Sohnersatz, Gigolo (oder was die Gesellschaft sonst an Stereotypen bereithält) dazustehen.

Auch Denckers 33-jähriger Freund Marc Schmidt sieht Unterschiede zur älteren Männergeneration: »Unsere Väter haben sich doch nur um die Karriere gekümmert, darunter haben die Ehen sehr gelitten. Viele von uns haben gesehen, wie hoch der Preis ist, und kümmern uns mehr um unser sonstiges Leben«, sagt der 33jährige Co-Pilot, der aber darauf besteht, in seinem Job zufrieden zu sein.

Frauen, die ihre Ansprüche erweitern, zu Ungunsten der Älteren wählen, und das nicht aus Unvernunft, sondern aus schlauem Beziehungskalkül, die dann noch frech die Jüngeren zu Reiferen erklären - bei solcherlei Affronts ist es kein Wunder, dass sich die älteren Männer in den Spott und in die väterliche Mahnung retten.

Kein Trost für sie: Frauen leben im Schnitt länger, der ältere Partner stirbt bisweilen allzu früh, der jüngere bleibt länger dabei.

Doch bei aller Liebe: Die offiziellen Zahlen über Eheschließungen von Frauen mit jüngeren Männern sind nicht überwältigend. Bei nur einem Fünftel aller 1999 geschlossenen Ehen war der Mann jünger.

Auch der weltweise Zeitgeist erweist sich als störrisch. Der amerikanische Psychologie-Professor David Buss hat sich in 37 Kulturen verschiedener Kontinente nach Partnerwünschen erkundigt. Die sexuellen Strategien seien überall gleich, stellte Buss fest. Auf der ganzen Welt herrscht immer noch die alte Vorstellung von der Musterbeziehung, nämlich dass Frauen sich drei bis vier Jahre ältere Männer wünschen, Männer mit zunehmendem Alter aber immer jüngere Frauen.

Mögen die Damen noch so von Milchgesichtern schwärmen - zum Ideal wird der superjunge Bubi an ihrer Seite noch lange nicht.

Die Chancen aber, mal einen auszutesten, die werden immer besser: Im Gegensatz zu den Nachkriegsjahren gibt es heute einen Männerüberschuss in der jüngeren Bevölkerung.

Die Möglichkeit zur Damenwahl besteht also - fragt sich bloß: Ist sie Lust oder Qual? SUSANNE BEYER

* Ursula Richter: »Wenn Frauen jüngere Männer lieben«. FischerTaschenbuch Verlag, Frankfurt a. M.; 236 Seiten; 16,90 Mark.

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