Gerd Driehorst - DER SPIEGEL
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Klüger werden mit Gerd Driehorst

Der 39-jährige Sportpsychologe über seine Arbeit bei Hertha BSC Berlin
• aus DER SPIEGEL 35/2001
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Sie sind der erste offizielle Mentalcoach in der Fußball-Bundesliga. Was genau machen Sie bei Hertha BSC?

Driehorst: Ich führe mit einzelnen Spielern Gespräche, damit der Spieler über den mentalen Bereich noch ein paar Prozent mehr an Leistung aus sich herauskitzeln kann. Natürlich passiert das nicht über Nacht, das ist harte geistige Arbeit, Tag für Tag. Aber mentale Stärke ist erlernbar, man kann sie wie einen Muskel trainieren.

SPIEGEL: Wie machen Sie das?

Driehorst: Stellen Sie sich einen Spieler vor, der auf der Ersatzbank sitzt. Er hat zwei Möglichkeiten: Entweder er lässt sich von seinem Frust, nicht auf dem Platz zu stehen, beeinträchtigen, oder er konzentriert seine Gedanken auf einen möglichen Einsatz. Solche Situationen werden im mentalen Training antizipiert.

SPIEGEL: Können Sie sich vorstellen, dass die Helden von Bern 1954 mit einem Mentalcoach unterwegs gewesen wären?

Driehorst: Sicher nicht. Das war der Trainer Sepp Herberger selbst. Aber die Zeiten haben sich geändert. Der öffentliche Druck ist sehr viel stärker geworden. Ein Trainer kann sich heute nicht mehr jedem Spieler intensiv zuwenden. Aber natürlich behält der Cheftrainer das Sagen. Meine Arbeit ist ein Teil in einem großen Puzzle.

SPIEGEL: Hat der Trainer Sie geholt?

Driehorst: Die Idee kam von unserem Manager Dieter Hoeneß. Er war der Meinung, dass auch im Fußball neben der Fitness oder Taktik das Mentale verstärkt trainiert werden sollte. Man sagt ja nicht umsonst: Spiele werden im Kopf entschieden. Jürgen Röber, der Trainer, hat diese Idee von Anfang an stark unterstützt.

SPIEGEL: Hertha ist Tabellenzehnter. Zufrieden?

Driehorst: Nein, aber glauben Sie mir, die Mannschaft wird ihre Lehren ziehen und den Weg nach oben finden.

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