Gericht entschied Siamesische Zwillinge werden getrennt
London - Eine Trennung würde für das eine der beiden Mädchen den sicheren Tod bedeuten, da es kein eigenes Herz und keine Lunge hat. Würden die beiden Babys jedoch zusammenbleiben, würden sie nach Einschätzung der Ärzte "mit 80-prozentiger Sicherheit" beide sterben.
Alan Ward, 62, vorsitzender Richter des höchsten britischen Zivilgerichts, sprach von einer "qualvoll schwierigen Entscheidung", die ihm "schlaflose Nächte" bereitet habe. "Egal welches Urteil wir fällen, wir sind immer die Verlierer: 50 Prozent der Bevölkerung werden mit unserer Entscheidung einverstanden sein, 50 Prozent werden denken, wir sind wohl völlig verrückt geworden." Ward ist selber Katholik und Vater von Zwillingen.
Die Eltern sind tief gläubige Katholiken von der Mittelmeer-Insel Gozo bei Malta. Sie sind davon überzeugt, dass es nicht Gottes Wille sei, die Kinder zu trennen und damit eines von ihnen zu töten. Die Richter schlossen sich jedoch der Meinung der Ärzte an, dass wenigstens eines der beiden Mädchen gerettet werden müsse. Sie bestätigten damit eine Entscheidung des High Court in erster Instanz. Eine endgültige Entscheidung über das Schicksal der beiden Kinder ist jedoch noch nicht gefallen. Die Eltern können noch Berufung beim Oberhaus einlegen. Ob sie es tatsächlich tun, ist noch unklar.
Der Fall hatte eine große gesellschaftliche Debatte ausgelöst, bei der extrem gegensätzliche Positionen aufeinander prallten: Manche Ärzte beschrieben den Zwilling ohne Herz und Lunge als "Tumor", der "radikal entfernt" werden müsse. Cormac Murphy-O'Connor, Erzbischof von Westminster und Oberhaupt der katholischen Kirche von England und Wales, forderte das Gericht dagegen auf, die Kinder "in Frieden sterben zu lassen". Beide seien gleichwertige Menschen, und niemand habe das Recht, den einen Menschen zu töten, damit der andere leben könne. Erwachsene siamesische Zwillinge schalteten sich ebenfalls in die Debatte ein und versicherten, sie hätten niemals getrennt werden wollen.