Merkel in Haltern am See "Mich hat dieser Besuch sehr beeindruckt"
Angela Merkel: Die Kanzlerin legt Blumen an Gedenkstelle für Germanwings-Opfer in Haltern nieder
Foto: ROBERTO PFEIL/ AFPKnapp sieben Monate ist es her, dass ein Germanwings-Flieger in den französischen Alpen zerschellte. Nun ist Angela Merkel nach Haltern am See gekommen. Am Joseph-König-Gymnasium würdigte sie die Trauerarbeit der Schule, die beim Absturz des Fluges 4U9525 16 Schüler und zwei Lehrerinnen verlor.
"Vielleicht ist Haltern ein Beispiel geworden, wie man in einer solch fürchterlich traurigen Situation Gemeinschaft zeigen kann", sagte Merkel in einer Ansprache vor rund 1300 Schülern. Die Frage nach dem Warum eines solchen Unglücks könne niemand beantworten. "Das, was ich mitnehme ist, dass ich das Gefühl habe, dass Sie versuchen, hier gemeinsam damit fertig zu werden." Ihre kurze Rede schloss Merkel mit den Worten: "Mich hat dieser Besuch sehr beeindruckt."
Die Kanzlerin löst mit ihrem Aufenthalt in Haltern am See ein Versprechen ein, das sie nach der Katastrophe bei einer Trauerfeier in Köln gegeben hatte.
Abgeschirmt von der Öffentlichkeit sprach Merkel außerdem mit Schülern aus der Jahrgangsstufe der getöteten Gymnasiasten sowie mit Eltern der Opfer. Später legte sie gemeinsam mit der nordrhein-westfälischen Vize-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne) an einem Gedenkmal für die Opfer auf dem Schulgelände zwei weiße Lilien nieder.
Gedenkfahrt nach Frankreich geplant
Die 16 Zehntklässler und ihre Begleiterinnen waren am 24. März auf dem Rückweg von einem Spanien-Austausch. Die 38.000-Einwohner-Stadt am Rande des Münsterlands wurde mit ihrem Verlust zum Symbol für die Trauer.
Bilder des Kerzenmeeres vor dem Schuleingang und von sich in den Armen liegenden Mitschülern gingen um die Welt. Bundespräsident Joachim Gauck kam zu einem Gedenkgottesdienst. Zehntausende Kondolenzbotschaften erreichten die Stadt. Inzwischen erinnern sowohl an der Schule als auch auf dem Friedhof Gedenkstätten an die Absturzopfer.
Der Co-Pilot hatte die Maschine nach Ansicht der Ermittler absichtlich auf Crashkurs gesteuert. Insgesamt starben 150 Menschen. Daher möchte Schulleiter Ulrich Wessel den Besuch der Bundeskanzlerin an seinem Gymnasium als stellvertretendes Zeichen für alle trauernden Angehörigen verstanden wissen: "Unsere Schule ist zwar zum Sinnbild geworden. Wir wollen aber auch die anderen Verstorbenen nicht vergessen."
Im kommenden Frühjahr plant die Schule eine Reise zu der Unglücksstelle in Frankreich. Seinen Schülern könne eine solche Gedenkfahrt bei der Trauerarbeit helfen, sagte Wessel. So gebe es auf dem Dorffriedhof eine Stelle, an der 3000 nicht identifizierbare Leichenteile beerdigt seien.