Absturzort in Frankreich Angehörige gedenken der Opfer der Germanwings-Katastrophe
Angehörige bei Trauerfeier: Abschied nehmen in den Alpen
Foto: BORIS HORVAT/ AFPMehrere Hundert Angehörige der Opfer der Germanwings-Katastrophe haben in den französischen Alpen um die Toten getrauert. "Wir sind auch hier, um Abschied zu nehmen", sagte ein Geistlicher bei der Gedenkfeier im kleinen Ort Le Vernet in der Nähe der Absturzstelle. Die Trauerfeier fand an der Gedenkstele statt, die kurz nach dem Absturz aufgestellt worden war.
"Die Stimmung ist sehr gedrückt", sagte Luftfahrtanwalt Christof Wellens, der 34 Opferfamilien vertritt. Ein katholischer Bischof, ein evangelischer Pfarrer, ein jüdischer Rabbi und ein muslimischer Imam leiteten die Zeremonie gemeinsam. "In diesen Momenten zeigt sich die Zerbrechlichkeit des Lebens", sagte der Imam.
Carsten Spohr, Chef des Germanwings-Mutterkonzerns Lufthansa, hatte seine Teilnahme wegen des Streits um Entschädigungszahlungen abgesagt. Ein Lufthansa-Sprecher begründete dies damit, es gehe Spohr darum, "die würdevolle Zeremonie" nicht zu belasten.
Germanwings-Flug 4U9525 war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einem Berg zerschellt. Die Ermittler halten es für erwiesen, dass der Co-Pilot die Maschine absichtlich zum Absturz brachte. Le Vernets Bürgermeister Francois Balique geht davon aus, dass die Absturzstelle in etwa zwei Monaten als Erinnerungsstätte zugänglich sein wird.
Nach der Trauerfeier wurden die Angehörigen der Opfer in Gruppen zum Friedhof von Le Vernet gebracht. Dort waren die nicht identifizierten Leichenteile der 150 Todesopfer bereits am Donnerstag beigesetzt worden. "Die Beerdigung fand in der Nacht auf dem Friedhof von Le Vernet statt, in aller Diskretion", sagte der Bürgermeister der Nachbargemeinde Prads-Haute-Bléone, Bernard Bartolini. Zunächst war von einem Bestattungstermin am Freitag die Rede gewesen.
In den Wochen nach dem Absturz hatten sterbliche Überreste aller 150 Todesopfer anhand von DNA-Abgleichen identifiziert werden können. Die Familien konnten ihre verstorbenen Verwandten später in der Heimat beerdigen. Zahlreiche Leichenteile konnten aber nicht mehr zugeordnet werden. Sie wurden deswegen nun gemeinsam in mehreren Urnen beerdigt.