Aberglaube Der Tag der wilden 13
Berlin - Eine schwarze Katze von links bringt Unglück? Ein vierblättriges Kleeblatt hingegen ist ein gutes Omen? Und Scherben bringen Glück - aber welche genau? Viele Beispiele für Aberglauben haben sich bis in unsere Zeit erhalten. So auch die Angst vor Freitag, dem 13., jenem Tag, der nach Überzeugung vieler Menschen nichts als Scherereien bringt.
Für etwa ein Drittel der Deutschen habe das Datum eine besondere Bedeutung, sagt Lutz Volmer, Volkskundler beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe in Münster. Dies hätten Umfragen ergeben. "Die Leute erwarten kein besonderes Ereignis. Aber für sie ist es ein Tag mit einem diffusen, unguten Gefühl." Der Wissenschaftler berichtet, dass sowohl dem Freitag als auch der Zahl 13 seit Jahrhunderten eine besondere Kraft zugeschrieben wird.
"Aus heutiger Sicht ist es merkwürdig. Aber aus der Zeit um 1900 wissen wir, dass die Menschen den verschiedenen Wochentagen besondere Bedeutungen nachgesagt haben", erklärt Volmer. Noch in den dreißiger Jahren habe eine Umfrage ergeben, dass der Freitag für die Menschen in Norddeutschland zu dieser Zeit als Glückstag galt. In Mittel- und Süddeutschland habe er dagegen den Ruf eines Pechtags gehabt.
Erklärungen gebe es viele, sagt Volmer. Möglicherweise komme der Volksglaube aus der christlichen Tradition: Jesus wurde nach biblischer Überlieferung an einem Freitag gekreuzigt. "In Notzeiten fanden freitags Bußprozessionen statt. In vielen Gemeinden war der Tag ein Fasten- und Trauertag. So bekam er eine negative Prägung."
Lufthansa meldet Buchungen wie an jedem anderen Tag
Um die symbolische Bedeutung der Zahl 13 zu verstehen, muss man zunächst den Stellenwert der Zahl Zwölf kennen: An den zwölf Monaten, den zwölf Aposteln und dem Zwölf-Götter-Regiment der Griechen und Römer lasse sich erkennen, dass diese Zahl "schon in der Antike und später im Christentum etwas Besonderes" gewesen sei, sagt Volmer. Während die Zwölf also für Vollkommenheit steht, wird diese Harmonie von der 13 gesprengt: "Deshalb wird dieser Zahl eine besondere Kraft nachgesagt, die positiv oder negativ sein kann", erklärt Volmer. Allerdings habe sich die negative Bedeutung im Laufe der Jahre durchgesetzt.
Bis heute gibt es Hotels, die kein Zimmer mit der Nummer 13 anbieten. Und auch an Bord von Lufthansa-Flugzeugen folgt auf die Reihe 12 direkt die Reihe 14. Die Verknüpfung dieser besonderen Zahl mit dem angeblich Pech bringenden Freitag sei vermutlich in den fünfziger Jahren aufgekommen: "Den ältesten Beleg habe ich in einer Ausgabe der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung' aus dem Jahr 1957 gefunden", sagt Volmer.
Volkskundler Lutz Volmer geht den Tag nach eigenen Angaben gelassen an: "Ich nehme mir nichts Besonderes vor, aber mache mir auch keine Sorgen." Auch die Flugangst scheint nicht größer als üblich zu sein: Wie die Lufthansa mitteilte, liefen die Buchungen wie für jeden anderen Freitag.
Dabei kommt es heute sogar besonders dicke für alle abergläubischen Menschen: Die Ziffernsumme des heutigen Datums 13.10.2006 - also alle Ziffern zusammengerechnet - ergibt die Unglückszahl 13. Diese Kuriosität ist dem Aachener Physik-Professor Heinrich Hemme aufgefallen. Bei einem Rechenspiel hat Hemme herausgefunden, dass es einen solchen Super-Unglückstag bereits am 13. Januar dieses Jahres gegeben hat - davor allerdings zuletzt am 13. Januar 1520.
Bestimmte Berufsgruppen waren besonders abergläubisch
Ein ungutes Gefühl bei bestimmten Ereignissen ist jedoch überall auf der Welt bekannt. So gilt eine Sonnenfinsternis fast in allen Kulturen als Vorbote großen Unheils. In China glaubte man, dass ein böser Drache versucht, die Sonne zu fressen. In Japan hingegen wurden Brunnen abgedeckt. Man glaubte, bei einer Sonnenfinsternis werde das Wasser vergiftet. Sternschnuppen hingegen werden fast überall als Glücksbringer betrachtet.
Bestimmte Berufsgruppen waren besonders abergläubisch, vor allem jene, die einer gefährlichen Tätigkeit nachgingen. Wussten Sie, dass Seeleute es früher vermieden, an Bord eines Schiffes zu pfeifen, weil dies Unglück bringen sollte? Wenn man an den Mast eines Segelschiffes klopfte, soll dies gar einen Sturm heraufbeschworen haben.
Selbst eingefleischte Naturwissenschaftler sind bisweilen nicht abgeneigt, dem Glück mit kleinen Tricks ein wenig auf die Sprünge zu helfen. So hing über der Haustür des Physikers Werner Heisenberg ein Hufeisen. Ob er davon überzeugt sei, dass es ihm Glück bringe? "Natürlich nicht", soll er geantwortet haben. Aber er habe sich sagen lassen, dass es auch Glück bringe, wenn man nicht daran glaube.
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jto/AP