Alfons über die Magie der Puschelmikrofone - DER SPIEGEL
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TV-Reporter im "Xaver"-Einsatz: Puscheln im Sturm

Foto: ARD

Reporter im Sturmeinsatz "Es gibt eine Magie des Puschelmikrofons"

Herbststürme wie "Xaver" sind die große Stunde der Puschelmikrofone. Mit ihnen stellen sich TV-Reporter heldenhaft dem Wind entgegen. Wer wüsste das besser zu würdigen als Alfons, der "Reporter mit dem Puschelmikrofon". Ein Gespräch über die Magie des grauen Flausches.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Ute Lawrenz hatte es wirklich nicht leicht. Als der Nachrichtenkanal Tagesschau24 am Donnerstagnachmittag zu ihr nach Ostfriesland schaltete, dürften die meisten Zuschauer nicht auf die Reporterin geschaut haben, sondern auf zwei junge Männer, die im Hintergrund halbnackt herumtanzten. Und noch etwas anderes lenkte von Lawrenz ab: das Puschelmikrofon, das vor ihrem Gesicht ein wenig aussah wie ein langer, grauer Bart.

Wenn sich TV-Reporter dem Wind entgegenstellen, dann wären sie ohne ihre Puschelmikrofone verloren. Verwehte, zerzauste Gestalten, mundtot gemacht, erst der Puschel verleiht ihnen die Reporterwürde und eine Stimme. Oder, wie es der bekannte Puschelmikrofon-Reporter Alfons sagen würde: "Der Puschel wird der Held".

Zur Person
Foto: Guido Werner

Alfons heißt mit bürgerlichem Namen Emmanuel Peterfalvi und kam 1967 in Paris zur Welt. Er arbeitete zunächst als Radiomoderator in Frankreich und dann als TV-Redakteur in Deutschland. Bekannt machten ihn ab 2002 vor allem seine Außenreportagen als Alfons mit dem Puschelmikrofon. Dabei befragt er mit starkem französischen Akzent Passanten auf der Straße zu aktuellen Themen. Derzeit tourt er mit einem Bühnenprogramm durch Deutschland.Website von Alfons 

SPIEGEL ONLINE: Alfons, waren Sie auch im Außeneinsatz, als "Xaver" über Deutschland hinwegfegte?

Alfons: Nein, so verrückt bin ich nicht. Ich hole mein Puschelmikrofon nur raus, wenn das Wetter einigermaßen normal ist. Das heißt in Norddeutschland: Dauerregen, aber ohne Gefahr. Ich werde nass, aber muss nicht um mein Leben fürchten.

SPIEGEL ONLINE: Dabei sind Sie doch der oberste Puschelmikrofon-Beauftragte des Landes! Wie schlagen sich denn die Kollegen im Sturm mit dem Mikrofon?

Alfons: (lacht) Man könnte meinen, die sollten noch zur Puschel-Ausbildung gehen. Aber es wäre hochnäsig von mir, das zu behaupten. Ich finde es ja toll. Das Puschelmikrofon ist nichts Neues, aber wenn es nicht stürmt, ist es immer hinter der Kamera versteckt. Deshalb denken viele an mich, wenn sie Puschelmikrofone sehen. Als ich angefangen habe, wusste ich aber nicht, dass der Puschel einen magischen Effekt hat.

SPIEGEL ONLINE: Nämlich?

Alfins: Sobald man in ein Puschelmikrofon redet, sagt man ab und zu mal ein bisschen Blödsinn. Das kann ich bei den Wetterkollegen auch immer wieder bestätigen.

SPIEGEL ONLINE: Und wenn man nicht aufpasst, sieht es aus, als hätte man einen langen Rauschebart. Oder einen Hund unter dem Kinn.

Alfons: Das auch noch, genau. Es kann total doof aussehen. Wenn ich auf dem Wochenmarkt bin und meinen Puschel unter dem Arm trage, gibt es Omas, die denken, dass ich einen Hund unter dem Arm habe und wollen ihn streicheln. Ich habe schon viel Zärtlichkeit für meinen Puschel, das ist schließlich nicht irgendein Mikrofon.

SPIEGEL ONLINE: Braucht so ein Puschelmikrofon denn Zärtlichkeit?

Alfons: Ich halte es einfach immer sehr gerne in der Hand. In Japan gibt es eine Agentur, die bietet an, Stofftiere auf Reisen zu schicken. Die bringen das Stofftier nach Dubai, machen ein "Urlaubsfoto" und schicken das Foto und das Stofftier dann zurück. In Japan gehen einige Leute offenbar davon aus, dass auch Gegenstände eine Seele haben - gerade Stofftiere, denen Kinder sehr viel Liebe schenken. Ich überlege, ob ich meinem Puschelmikrofon das nicht gönnen soll.

SPIEGEL ONLINE: Wenn ein Mikrofon eine Seele hat, dann ja wohl Ihres.

Alfons: Ja, das habe ich auch gedacht.

SPIEGEL: Was ist das Besondere am Puschelmikrofon? Schwärmen Sie doch mal.

Alfons: Man kommt schnell in Kontakt mit Leuten. Viele kennen meinen Namen nicht, aber sie sagen: "Oh, das ist doch der mit dem Puschel." Man kann sich ganz leicht zurückziehen, und der Puschel wird der Held. Das ist schön. Es gibt eine Magie des Puschelmikrofons, das meine ich ernst. Die Leute, die mit mir reden, verraten Dinge, die ich manchmal gar nicht senden möchte, weil es zu intim ist oder zu tief geht. Die Leute öffnen sich vor dem Puschelmikrofon. Ich weiß nicht, ob das nur bei meinem so ist. Vielleicht habe ich auch zufällig das einzige magische Puschelmikrofon gefunden.

Die Fragen stellte Hendrik Ternieden

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