Amtseinführung "Rabbiner made in Germany"
Dresden - Heute Vormittag begannen in der Dresdner Synagoge die Feierlichkeiten zur ersten Amtseinführung von Rabbinern in Deutschland. Drei Absolventen des Abraham Geiger Kollegs in Potsdam erhielten ihre Ordinations-Urkunden und damit die Befähigung, als religiöse Oberhäupter in ihren Gemeinden tätig zu sein: der Südafrikaner Malcolm Mattitiani, der tschechische Staatsbürger Thomas Kucera und der Bundesbürger Daniel Alter.
An der feierlichen Zeremonie nahmen rund 300 Ehrengäste teil, darunter die Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sowie die Ministerpräsidenten von Sachsen und Brandenburg, Georg Milbradt (CDU) und Matthias Platzeck (SPD).
Der Oberrabbiner und Präsident des Abraham Geiger Kollegs, Walter Jacob, hatte während des anderthalb Stunden langen Gottesdienstes die Ordination vorgenommen. Jacob erinnerte daran, dass es in seiner Familie seit 15 Generationen Rabbiner gebe. "Als wir 1939 auswanderten, dachten wir nie, dass wieder jüdisches Leben entstehen würde." Dies sei aber mit Gottes Hilfe geschehen. Als er in den 90er Jahren nach Deutschland zurückgekehrt sei, habe er gesehen, dass man Rabbiner braucht. "Ich bin besonders dankbar und erhoffe mir für die Zukunft, dass wir alle zusammen ein neues Judentum aufbauen, das die ganze Tradition aber auch das Moderne beinhaltet", sagte Jacob. Es gelte jetzt, weiter aufzubauen. "Ich hoffe, dass noch viele Rabbiner ausgebildet werden", betonte der Präsident des Kollegs.
Der Bedarf ist da: Mehr als hundert jüdische Gemeinden gibt es mittlerweile wieder in Deutschland. Beigetragen hat dazu die Zuwanderung zehntausender Juden aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion.
Derweil beklagt der Zentralrat der Juden einen zu geringen Rabbinernachwuchs. Laut dem Abraham Geiger Kolleg hat nur etwa jede fünfte Gemeinde einen eigenen Rabbiner.
Benötigt würden 30 bis 40 neue Rabbiner pro Jahr, sagte Zentralratsvizepräsident Dieter Graumann gestern. Viele Gemeinden in Deutschland "hungern nach rabbinischer Betreuung". Die Ausbildung zum Rabbiner in Deutschland müsse ausgebaut werden. "Rabbiner made in Germany" müssten zu einem Markenzeichen werden, das auch außerhalb Deutschlands anerkannt werde.
Von einer Normalität in Deutschland sei man noch lange entfernt, so Graumann. Von einer solchen könne man erst dann sprechen, wenn sie "nicht mehr eingefordert wird und man nicht mehr über sie sprechen wird". Es gehe darum, ein Stück zusammen zu wachsen. Es werde noch zwei bis drei Generationen dauern, bevor von einem normalen deutsch-jüdischen Verhältnis gesprochen werden könne.
Der Direktor des Kollegs, Walter Homolka, bezeichnete die Ordination als einen neuen Anfang aus eigener Kraft. "Eine Normalisierung ist das aber nicht", so Homolka gestern.
Das Abraham Geiger Kolleg ist Deutschlands einziges Rabbinerseminar. Es wurde 1999 gegründet und will an die lange Ära der Rabbinerausbildung vor der NS-Diktatur und an die Tradition der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin anknüpfen, die 1942 von den Nationalsozialisten geschlossen wurde. Die Ausbildung zum Rabbiner dauert fünf Jahre.
aki/AP/dpa/AFP