Angespannte Lage an Oder: Deich bei Schwedt gerissen - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Angespannte Lage an Oder Deich bei Schwedt gerissen

Die Lage in der Hochwasserregion in Brandenburg bleibt angespannt. Ein Deich bei Criewen im Unteren Odertal riss. Einsatzkräfte versuchen, die Uferanlagen zu verstärken.
Zollbrücke an der Oder: Die Lage bleibt angespannt
Zollbrücke an der Oder: Die Lage bleibt angespannt

Zollbrücke an der Oder: Die Lage bleibt angespannt

Foto: DDP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Criewen - Das Hochwasser hat die Deiche entlang der Oder erneut beschädigt. Betroffen waren Abschnitte bei Criewen in der Uckermark und Neuranft im Oderbruch, wie der Präsident des Brandenburger Landesumweltamtes, Matthias Freude, am Sonntag sagte. "Das ist nicht dramatisch", betonte er. "Das ganze illustriert aber, dass wir Höchstwasserstände haben." Es bleibe daher "spannend bis zum Schluss".

Nach einer ruhigen Nacht habe es am Sonntagmorgen plötzlich einen Riss im Deich bei Criewen im Unteren Odertal gegeben. In dem Ort bei Schwedt gebe es zudem noch eine von insgesamt drei Baustellen durch die Sanierung der Oder-Deiche. Der aufgetretene Riss sei nicht unerheblich. Derzeit werde er abgesichert.

Außerdem ist am Sonntag nach Angaben von Freude bei Neurüdnitz im Oderbruch die Böschung an einer Brücke abgerutscht. Auch dort sind Einsatzkräfte damit beschäftigt, die Uferanlagen zu verstärken.

Freude betonte, auch wenn die Pegel stagnieren oder leicht sinken, bleibe die Situation angespannt. Es liege eine "ungeheure Last auf den Deichen". Es könne immer etwas passieren. Die sanierten Deiche hätten sich allerdings bislang als stabil erwiesen. "Das ist wirklich gut investiertes Geld", sagte der Umweltamtspräsident. Vor Überraschungen sei man aber nie sicher.

Fotostrecke

Oder-Hochwasser: Merkel im Fluteinsatz

Foto: Eckehard Schulz/ APN

Seit dem Jahrhundert-Hochwasser von 1997 mit riesigen Überschwemmungen wurden nach Angaben des Brandenburger Umweltministeriums rund 220 Millionen Euro in den Hochwasserschutz an der Oder investiert. Fast 90 Prozent der 163 Kilometer langen Deiche an der Oder sind saniert oder neu gebaut worden.

Der höchste Stand ist derzeit bei Kienitz im Oderbruch

Die Wasserpegel der Oder sind derzeit stabil, an einigen Stellen fallen sie sogar. Der Scheitel der Flut verlagerte sich ins nördliche Brandenburg. Der höchste Stand wurde zuletzt bei Kienitz im Oderbruch gemessen.

Sorgen machten die Wassermassen der Warthe. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) wollte sich am Sonntag auf dem Deich nahe Küstrin-Kietz (Märkisch-Oderland) über die Lage informieren. Am Samstag hatte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Frankfurt ein Bild von den Arbeiten gemacht. Sie lobte die Helfer und die Deichsanierungen seit der verheerenden Flut von 1997.

Die Bemühungen, Deiche und Infrastruktur in den vergangenen 13 Jahren zu verbessern, hätten sich "unglaublich" ausgezahlt. Sowohl Merkel als auch Platzeck warnten vor Nachlässigkeit. "Wir sind erst durch, wenn das Wasser durch ist", betonte Platzeck.

Wie der Hydrologe Matthias Hummel vom Hochwassermeldezentrum in Frankfurt (Oder) sagte, wird der Scheitel der Warthe in den nächsten Tagen auf das Oder-Hochwasser treffen. Doch Hummel gab zunächst Entwarnung. Trifft der Scheitel der Warthe auf die Oder, dürfte deren Hochwasser schon ein wenig gefallen sein, sagte er.

Der Oder-Höchststand lag im Laufe des Sonntags bei Kienitz, nördlich der Warthe-Mündung im polnischen Kostrzyn. Sollte auf polnischer Seite ein Deich brechen, wirkte sich das bis herunter nach Frankfurt (Oder) und Slubice aus.

Zur Lage an der Oder im südlichen Teil sagte Hummel: "Es gibt keine Probleme." Im Kreis Oder-Spree und in Frankfurt (Oder) gilt nach wie vor die höchste Hochwasseralarmstufe 4. Es besteht die Gefahr, dass Deiche überflutet werden.

In anderen Anrainerlandkreisen gilt die Stufe 3 - seit dem frühen Sonntagmorgen auch in der Uckermark. Am selben Tag sollte entschieden werden, wann die Stufe 4 in Oder-Spree wieder aufgehoben wird.

jjc/ddp/dpa