Auschwitz-Überlebender Kazimierz Albin ist tot - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Im Alter von 96 Jahren Auschwitz-Überlebender Kazimierz Albin gestorben

Er war der letzte Überlebende des ersten Transports nach Auschwitz. Nach seiner Flucht aus dem Konzentrationslager schloss er sich dem bewaffneten Widerstand an. Nun ist der Pole Kazimierz Albin gestorben.
Kazimierz Albin: "Es war ihm besonders wichtig, in Deutschland gehört zu werden."
Kazimierz Albin: "Es war ihm besonders wichtig, in Deutschland gehört zu werden."

Kazimierz Albin: "Es war ihm besonders wichtig, in Deutschland gehört zu werden."

Foto: Janek SKARZYNSKI /AFP
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der polnische Auschwitz-Überlebende Kazimierz Albin ist im Alter von 96 Jahren in Warschau gestorben. Albin sei der letzte Überlebende des ersten Transports nach Auschwitz im Juni 1940 gewesen, teilte das Internationale Auschwitz Komitee mit.

"In seinem späteren Leben hat Kazimierz Albin es als seine wichtigste Pflicht und Aufgabe angesehen, über Auschwitz und seine ermordeten Mithäftlinge zu berichten: Er schrieb Bücher, er erzählte, er reiste und sprach mit jungen Menschen in vielen Ländern dieser Erde", sagte Exekutiv-Vizepräsident Christoph Heubner. "Es war ihm besonders wichtig, in Deutschland gehört zu werden."

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von X.com, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können Ihre Zustimmung jederzeit wieder zurücknehmen.

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Albin war 17 Jahre alt, als er in Auschwitz die Lagernummer 118 erhielt. Er habe sich von Anfang an darauf konzentriert, "sich nicht von Angst und Hass beherrschen zu lassen, sondern sein eigenes Los und das Los seiner Mithäftlinge zu erleichtern", heißt es in der Mitteilung .

Während seiner Arbeit in einer der SS-Küchen sei es ihm immer wieder gelungen, Mithäftlingen durch illegal organisiertes Essen das Leben zu retten. Im Februar 1943 habe er mit einem Mithäftling beschlossen, aus Auschwitz zu fliehen.

In Krakau schloss er sich demnach dem bewaffneten Widerstand der polnischen Heimatarmee an und kämpfte für die Befreiung seiner Heimat und der Konzentrationslager. Nach seiner Flucht sei sein Bruder, der auch Häftling in Auschwitz war, gefoltert worden. Seine Mutter wurde nach Auschwitz und später ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht, hieß es in der Mitteilung. (Lesen Sie hier ein Protokoll von Kazimierz Albin aus dem Jahr 2015).

Albin war der polnische Vizepräsident des Komitees. "Sein Gesicht war ein dem Leben und den jungen Menschen zugewandtes Gesicht, selbst wenn er von den Ungeheuerlichkeiten sprach, die er mit eigenen Augen gesehen und am eigenen Leib verspürt hatte", sagte Exekutiv-Vizepräsident Heubner über den Verstorbenen. "So wie im Lager selbst, war auch jetzt Hass seine Sache nicht. Er hoffte auf die Lernfähigkeit der jungen Menschen und ihre Freude am Leben."

bbr/dpa