Australien: Inventur im Schweinestall - DER SPIEGEL
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Australien Inventur im Schweinestall

Herablassend, diskriminierend, sexistisch: Zwei australische Feministinnen haben in einem neuen Buch 1000 frauenfeindliche Aussprüche prominenter Landsleute zusammengestellt. Unter den Supermachos befindet sich auch Hollywoodstar Mel Gibson.
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Hamburg - Es ging um die moderne Ehe, um eine ausgewogene Verteilung der Lasten und Pflichten, da entfuhr dem früheren Rugby-Star ein tiefer Seufzer: "Damals", so schnaufte Eric Rush nostalgisch, "warst du schon ein guter Kerl, wenn du deine Füße hochgehoben hast, wenn sie staubsaugte."

Heute landet man(n) mit einem derart machohaften Spruch nur noch in dem neuen Buch "1000 schreckliche Dinge, die australische Männer über Frauen gesagt haben", das nun auf dem fünften Kontinent erscheint. Die Feministinnen Meredith Burgmann und Yvette Andrews haben darin die sexistischen Aussetzer prominenter Landsleute zusammengestellt.

Am literarischen Pranger steht unter anderem Hollywood-Größe Mel Gibson, der einen betörten weiblichen Fan einst fragte: "Was glaubst du, wen du vor dir hast, Zuckertitte?" Auch der Amtsrichter Pat Caldwell aus dem Badeort Byron Bay verewigte sich in dem Buch mit der Bemerkung, die er einer Angeklagten im Minirock entgegenschleuderte: "Kommen Sie wieder, wenn ihr IQ so hoch ist, wie ihr Kleid sitzt." Ebenso dokumentiert ist in dem Werk die Unverschämtheit des heutigen Senators von New South Wales, Bill Heffernan, der seine kinderlose politische Konkurrentin Julia Gillard als "vorsätzlich unfruchtbar" bezeichnet hatte.

Früher seien es vor allem Gewerkschafter, Richter und Politiker gewesen, die mit ihren sexistischen Sprüchen aufgefallen seien, so Buchautorin Burgmann im "Sydney Morning Herald". Doch diese Männer hüteten sich zunehmend vor solchen verbalen Fehlleistungen. "Jetzt sind es eher die Show-Größen - Sportler, Fernsehstars und Promi-Köche. Wir werden das nie ändern, wenn wir einfach abwarten, bis sie alle gestorben sind", begründet Burgmann ihr Engagement.

Männer öffentlich bloßstellen

Es gehe darum, die Männer mit dieser "Bestandsaufnahme aus dem Schweinestall" bloßzustellen, und "sie wissen zu lassen, dass es öffentlich wird, wenn sie weiterhin diese fürchterlichen sexistischen Dinge sagen", so Burgmann. Doch die Publikation sei darüber hinaus auch "ein ernsthaftes Stück Forschungsarbeit in Sachen Frauenfeindlichkeit und sollte in Seminaren und Selbsthilfegruppen zum Einsatz kommen."

Die wahrscheinlich schockierendste Aussage in Burgmanns Buch stammt von dem muslimischen Prediger Scheich Tadsch Din al-Hilali. Er hatte laut "Sydney Morning Herald" Vergewaltigungsopfer als "unbedecktes Fleisch" verhöhnt, und ihnen gesagt, sie hätten eben zu Hause bleiben sollen.

Der frühere Arbeitsminister Joe Hockey indessen, ebenfalls unter den Top 1000 der australischen Machowelt, überraschte mit seiner egozentrischen Weinerlichkeit, als die Sprache auf seine schwangere Frau kam: "Nun, es ist anstrengend für mich. (…) Ich weiß nicht warum, aber während der Schwangerschaft konzentrieren sich alle bloß auf die Frauen. Was ist mit den Männern? Ich meine, es ist ganz schön hart."

Feministin Burgmann sagte dem "Sydney Morning Herald", die Themen, an denen sich Frauen störten, hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert: "Halbnackte Frauen werden noch immer dazu benutzt, um Produkte zu bewerben. Es heißt, Karrierefrauen könnten keine guten Mütter sein und andersherum. Und jede über 40 wird als unattraktiv angesehen." Außerdem mache es sie krank, dass berufliche Auseinandersetzungen zwischen Frauen immer als "Zickenkrieg" bezeichnet würden, so die Autorin.

Manchmal jedoch entpuppen sich auch diejenigen als Machos, von denen man es am wenigsten erwartet - selbst wenn sie keine Männer sind. So ließ sich Mannequin Kate Fischer zu der wenig geistreichen Sentenz hinreißen: "Ich bin schön. Ich bin ein Model. Es ist mir gestattet, dumm zu sein."

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