Autos crashen mit dem Panzer in Neuseeland - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen
Fotostrecke

Panzerspaß in Neuseeland: "Ein ziemlich guter Stresskiller"

Foto: Marty Melville/ AFP

Freizeitspaß in Neuseeland Wenn Andrej mit dem Panzer Autos plattmacht

Der moderne Mensch ist gestresst. Er braucht ein Ventil. Was könnte da befreiender sein, als eine gepflegte Panzerfahrt mit anschließendem Auto-Zermalmen? Nichts, sagte sich ein neuseeländischer Unternehmer und gründete flugs eine Event-Firma.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Christchurch - Bei "Tanks for Everything" ist offenbar alles möglich. Auf der gleichnamigen Website der neuseeländischen Firma wirbt ein ehemaliger russischer Soldat per Video für einen Ausflug in den eigentümlichen militärischen Freizeitpark: "Priwjet, ich bin Andrej!", ruft der weißhaarige Recke in die Kamera und stürzt sich begeistert auf die verschiedenen Panzermodelle und Militärfahrzeuge.

Andrej preist den britischen "Centurion"-Panzer, "Vater unserer Flotte", 52 Tonnen schwer und einst in Vietnam im Einsatz: "Phantastisch, sensationell, Feuer!" Und hängt sich beherzt ans Kanonenrohr. Nicht nur ehemalige sowjetische Soldaten sollen sich hier vergnügen, nein, die ganze Familie darf Spaß haben. Es gibt geführte Touren, Geschenkgutscheine und Geburtstagspartys für die lieben Kleinen. Für 450 Dollar darf man einen russischen T-55AM2 fahren, "das Biest aus dem Osten", für weitere 395 Dollar auch gern etwas unter seinen Ketten zermalmen.

Der Besitzer der Anlage, Jonathan Lahy-Neary, sieht seine Mission geradezu therapeutisch: "Ich glaube, es kann unterdrückte Frustrationen freisetzen, wenn man loszieht und etwas mit einem Panzer zerquetscht." Nach einem miesen Tag sei das "ein ziemlich guter Stresskiller", so der Unternehmer.

Acht Panzer, verschiedene Jeeps und jede Menge bewaffnetes Personal stehen den Besuchern zur Verfügung. Vom Teenager bis zum 85-jährigen Rentner sei jede Altersstufe vertreten. Es sei sehr viel einfacher gewesen, die Panzer in Ungarn oder anderswo zu erstehen, als sie dann nach Neuseeland einzuführen, sagt Lahy-Neary. Polizei und Zoll hätten sich irritiert gezeigt. "Es war das erste Mal, dass jemand solche Anträge stellte."

Es sei mühselig gewesen, alle nötigen Papiere aufzutreiben. Er habe eine Waffenerlaubnis beantragen müssen, obwohl sämtliche Kanonen vor dem Import deaktiviert werden mussten.

Die Geschäftsidee erstaunt, denn die Stadt hat in den vergangenen Jahren wirklich genug Zerstörung gesehen: 2010 und 2011 wurde Christchurch von zwei schweren Erdbeben heimgesucht. 185 Menschen starben, es kam zu schweren Schäden, bis zu 10.000 Häuser müssen abgerissen werden.

Neuseeland ist bekannt für adrenalinschwangere Sportangebote wie Bungee Jumping, Rafting oder Heli-Skiing. "Tanks for Everything" hat jetzt ein neues Kapitel aufgeschlagen. Man darf gespannt sein, ob sich Widerstand gegen eine so militaristische Form der Freizeitgestaltung regen wird.

ala

Mehr lesen über