BBC-Schummel-Doku Der große Grizzly-Fake
Bären-Beobachtung: Kommentar aus dem Off
London - Die BBC-Programmmacher sahen sich gezwungen, sich bei ihren Zuschauern zu entschuldigen. Der Grund: Die Bilder der Sendung "Great Bear Stakeout" ("Große Bärenbeobachtung") waren auf nicht legitime Weise bearbeitet worden. Die Zuschauer seien dabei absichtlich in die Irre geführt worden, hieß es.
Die Kritik entzündete sich an einer Szene im Film, in der ein Tierexperte ein Muttertier dabei beobachtet und kommentiert, wie es seine kleinen Bärenkinder ins Meer führt. Kurz darauf treibt eines der Jungtiere ab und ertrinkt vermutlich.
Jetzt stellte sich heraus: Tatsächlich war der Mann bei der Szene gar nicht anwesend, sondern wurde später im Schnitt hineinmontiert, um den dramatischen Effekt zu erhöhen. Die Sequenz des Bärenbades selbst sei ohne ihn aufgenommen worden.
Erst am Dienstag - und damit mehr als sieben Monate nach der erfolgreichen Ausstrahlung des Beitrags mit vier Millionen Zuschauern - kam laut "Daily Mail" die Wahrheit ans Licht: durch interne Nachforschungen der BBC selbst. Das Editorial Standards Committee (ESC) des BBC Trust war auf die Schummelei gestoßen.
Aus Angst, das Vertrauen der Zuschauer in die Rundfunkanstalt könne Schaden nehmen, hatte man sich zur Veröffentlichung des Fehlverhaltens entschlossen. Es sei nicht akzeptabel, dass Naturforscher getrennt von den Ereignissen gefilmt würden, die sie kommentierten, hieß es. Die BBC betonte jedoch gleichzeitig, dass es sich dabei um eine Produktionstechnik handele, mit deren Hilfe eine Geschichte erzählt werde.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Sender sich mit unerlaubten Tricksereien in der eigentlich renommierten Abteilung Natural History ("ein Juwel in der Krone des britischen Rundfunks") herumschlagen muss. Erst vor zwei Jahren war bekannt geworden, dass die Macher der Serie "Frozen Planet" des preisgekrönten Tierfilmers und Naturforschers Sir David Attenborough Bilder angeblich frei lebender Eisbären mit Jungtieren in einem Zoo gefilmt hatten.
Der konservative Abgeordnete John Whittingdale, Vorsitzender des Ausschusses für Kultur, Medien und Sport, erklärte, es sei "vollkommen inakzeptabel" Filmmaterial zu verfälschen. "Andernfalls besteht die Gefahr, dass die Leute aufhören, an den Wahrheitsgehalt dieser Sendungen zu glauben, und das Vertrauen der Zuschauer in die Produktionen der BBC wird untergraben."