Berlin-Wedding: Ein Stadtteil mit vielen Gesichtern - DER SPIEGEL
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Berlin-Wedding: Ein Stadtteil mit vielen Gesichtern

Foto: Ina Schoenenburg/ OSTKREUZ/ Kerber

Fotoprojekt in Berlin Dit is der Wedding

Neues In-Viertel, sozialer Brennpunkt, kulturelle Einöde - was ist Berlin-Wedding wirklich? 16 Fotografen haben ein überraschendes Porträt des Stadtteils geschaffen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein-Euro-Läden, Dönerbuden, Handyshops und Sonnenstudios: Alles Bilder, die auftauchen, wenn man an den Wedding denkt. Der Stadtteil hat nicht das beste Image, dabei stimmen längst nicht alle Klischees, die man mit dem Ortsteil im Bezirk Berlin-Mitte verbindet. Die Widersprüchlichkeiten faszinieren die Journalistin Julia Boek und den Grafikdesigner Axel Völcker schon lange. Seit 2007 geben sie ein Magazin rund um ihren Lieblingskiez  heraus. Nun haben die zwei ein Fotobuch veröffentlicht: 16 Fotografen, größtenteils von der Agentur Ostkreuz, zogen ein Jahr lang durch den Wedding, lichteten Moscheen, Eckkneipen und Parks ab, gingen in Kinderarztpraxen, Künstlerateliers und Privatwohnungen. Entstanden ist ein überraschendes Porträt des Stadtteils - jenseits aller Vorurteile. Jede einzelne Fotoserie zeigt eine andere Facette; gemeinsam entwerfen sie ein Gesamtbild der Vielfalt.

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Berlin-Wedding: Ein Stadtteil mit vielen Gesichtern

Foto: Ina Schoenenburg/ OSTKREUZ/ Kerber

Die Künstler zeigen persönliche Porträts, halten Häuseransichten fest, machen Veränderungsprozesse im Stadtbild sichtbar und geben Einblicke in den Alltag von Menschen unterschiedlicher Herkunft. Jeder liefert seine ganz eigene Sichtweise und Geschichte. So etwa Espen Eichhöfer, der seinen Fokus auf die afrikanische Gemeinschaft setzt: mit Fotografien von Hinterhöfen, in denen Autos für die Überfahrt nach Afrika vorbereitet werden, oder von lauthals singenden Gospelchören und Männern, die ekstatisch Jesus huldigen.

Für die Herausgeber ist der Wedding ein "Abbild der Welt, aber in Miniatur": Menschen unterschiedlicher Milieus, Kulturen, Mentalitäten und Religionen treffen aufeinander, vermischen sich - und machen den Wedding zu einem Ort der gelebten Vielfalt, in dem das scheinbar Unvereinbare zusammenwächst. Der Stadtteil erzähle im Kleinen etwas über große gesellschaftliche Zusammenhänge, über Integration, Gentrifizierung und eine älter werdende Gesellschaft. 85.000 Menschen leben im Wedding auf einer Fläche von weniger als zehn Quadratkilometern. Jeder zweite Bewohner hat einen Migrationshintergrund.

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Berlin-Wedding: Das Fotobuch - The Photobook

Axel Völcker,Julia Boek,Enno Kaufhold,Dirk Gieselmann
Verlag: Kerber, Christof
Seitenzahl: 236
Für 40,00 € kaufen

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17.10.2026 11.26 Uhr

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Einst war der Wedding ein Arbeiterbezirk, hatte wenig zu bieten. Auch wenn er immer noch als sozialer Brennpunkt gilt, beobachten doch viele den Wandel: die steigenden Mieten, die neuen Geschäfte, denen die alten Einzelhändler weichen müssen, das zunehmende kulturelle Angebot. Aber die Sportwettbüros und Handyläden, die grauen Mietskasernen, die Nachkriegsarchitektur und billigen Wohnräume sind noch da. Die Alteingesessenen müssen den Platz nur teilen, mit Künstlern und Kreativen, Studenten, Familien oder Neuberlinern.