Britische Thronfolge: Wenn ein Mädchen kommt, wird's schwierig - DER SPIEGEL
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William und Kate: Lovestory Royal

Foto: WPA Pool/ Getty Images

Britische Thronfolge Wenn ein Mädchen kommt, wird's schwierig

Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton löst in Großbritannien eine Debatte über die Zukunft des Königshauses aus. Das junge Paar gilt als Rettung der Windsor-Dynastie, doch setzt die Trauung die Politik auch unter Reformdruck, denn die Monarchie ist frauenfeindlich.
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Offen gibt es kaum einer zu, aber insgeheim halten etliche britische Politiker die Monarchie für überholt. Auch Nick Clegg, Vorsitzender der Liberaldemokraten und Vizepremier der liberalkonservativen Koalition, steht in dem Ruf, Republikaner zu sein.

Die Prinzenhochzeit gibt ihm nun die Gelegenheit, eine neue Reformdebatte über die Monarchie anzustoßen. Denn während Kate und William noch in den Hochzeitsvorbereitungen stecken, denkt der Vizepremier bereits einen Schritt weiter: Was, wenn die beiden gleich mit dem Kinderkriegen beginnen und zuerst eine Tochter bekommen und dann einen Sohn?

Dann hätte Kate zwar der Nation eine "neue Generation des Hauses von Windsor" geschenkt, wie der Royals-Experte Hugo Vickers es ausdrückt. Aber zugleich wäre das sexistische Wesen der Monarchie enthüllt: Der kleine Bruder hätte das Anrecht auf den Thron, weil er ein Mann ist. Die große Schwester ginge leer aus. So steht es im Thronfolgegesetz von 1701 - und das gilt bis heute.

Clegg findet dieses Gesetz "ein bisschen altmodisch". Und damit ist er nicht allein.

Auch der konservative Premier David Cameron sagt, die männliche Erbfolge gehöre abgeschafft, ebenso wie die Regel, dass Katholiken nicht auf den Thron dürfen. Wäre etwa Kate Middleton katholisch, könnte sie William nicht heiraten. Solche Diskriminierung kann keine moderne Regierung unterstützen. "Beide Änderungen sollten im Prinzip kommen", sagt Cameron. Doch werde die Reform dauern, schließlich müssten alle anderen 15 Commonwealth-Staaten zustimmen, in denen der britische Monarch ebenfalls Staatsoberhaupt ist.

"Als würden Politiker kalte Füße kriegen"

Es ist nicht das erste Mal, dass Politikern die Ungerechtigkeiten bei der Thronfolge auffallen. Schon die Labour-Regierung von Tony Blair hatte sich die Reform auf die Fahnen geschrieben. 2005 scheiterte Lord Alf Dubs mit einer entsprechenden Gesetzesreform im Oberhaus. 2009 stieß Premier Gordon Brown kurz eine Diskussion im Kreise der Commonwealth-Kollegen an, ließ die Sache dann aber wieder fallen. "Es scheint, als würden Politiker kalte Füße kriegen, wenn sie mit einer offensichtlich vernünftigen Änderung konfrontiert werden", kommentierte die "Times".

Die Hochzeit setzt die Politik nun unter Entscheidungsdruck. Reformgegner hatten sich stets hinter dem Argument versteckt, dass die Frage sich ja überhaupt nicht stelle, weil die Thronfolger Charles und William ohnehin männlich seien. Diese Situation könnte sich aber schon in neun Monaten geändert haben, warnen nun Clegg und Co. in Anspielung auf eine mögliche Schwangerschaft Middletons. "Wir müssen jetzt handeln", sagt der Labour-Abgeordnete Keith Vaz. Wenn erst ein Mädchen da sei, werde es schwieriger.

Schweden hat die gleiche Reform bereits 1979 durchgeführt, damit Prinzessin Victoria auf den Thron nachrücken kann und nicht ihr jüngerer Bruder Carl-Philipp. Die britische Regierung hingegen hat bislang gezögert - auch weil sie befürchtet, die Diskussion könnte schnell aus dem Ruder laufen.

Der Reformvorstoß aus London könnte Grundsatzdebatten in den weiteren Commonwealth-Ländern auslösen, darunter Australien und Kanada, wo starke Republikaner-Bewegungen wieder auf eine Abschaffung der Monarchie drängen würden. Die Royalisten auf der Insel laufen daher Sturm gegen die Thronfolge-Pläne. "Wenn man damit beginnt, die kleinen Sachen abzuschaffen, die man nicht mag, dann beginnt plötzlich das ganze Gebäude zu wackeln", warnte die "Daily Mail".

Das Hochzeitspaar bringt dringend benötigten Glamour

Premier Cameron will das Thema dennoch beim nächsten Commonwealth-Gipfel im Oktober ansprechen. Aus den Partnerländern kamen unterschiedliche Reaktionen: Der kanadische Premier Stephen Harper sagte, eine Monarchiereform sei derzeit keine Priorität. Der neuseeländische Regierungschef John Key hingegen begrüßte die Idee.

Trotz dieses politischen Unruhepotentials gilt die Hochzeit von Kate und William als das Beste, was der britischen Monarchie seit langem passiert ist. Während es nach dem Tod von Prinzessin Diana 1997 eine Zeit lang so aussah, als seien die Tage der Windsor-Dynastie gezählt, erfreut sie sich nun wieder hoher Zustimmung. Die Briten seien "eindeutig zufrieden" mit ihrer Monarchie, schreibt der frühere "Times"-Chefredakteur Simon Jenkins im "Prospect"-Magazin.

Das Hochzeitspaar bringt dem angejahrten Clan den dringend benötigten jugendlichen Glamour - und die Hoffnung auf eine gesicherte Zukunft. Die beiden gelten zwar als sturzlangweilig und erschreckend durchschnittlich, doch gerade darin sehen Kommentatoren einen großen Vorteil. Sie ziehen Parallelen zu Queen Elizabeth II., die es zu ihrem Lebensmotto erhoben hat, nirgendwo anzuecken und möglichst nur Belanglosigkeiten von sich zu geben. Darauf gründet sich ihre Beliebtheit. Prinz Charles hingegen, der sich gern einmischt und polarisiert, stößt auf große Ablehnung.

Die Folge: In Umfragen überrundet William seinen Vater regelmäßig bei der Frage, wer nächster König von England werden sollte. Zwar wird die Thronfolge nicht per Volksabstimmung geregelt, sondern durch jahrhundertealte Tradition. Deshalb winken Kenner stets ab, wenn wieder von König William die Rede ist. Charles werde nicht übergangen, er habe ein Anrecht auf den Thron, sagt Royals-Experte Vickers.

Doch ertappen sich selbst Königstreue wie Max Hastings, Ex-Chefredakteur des "Daily Telegraph", manchmal bei ketzerischen Gedanken. "Je mehr Zeit vergeht und je mehr William ins Rampenlicht rückt, desto häufiger wird die Frage gestellt werden: Wäre es nicht in aller Interesse, den Prinz von Wales eingeschlossen, dass der junge neue Prinz William als nächster den Thron besteigt?", fragt Hastings. "Ich glaube, es wird in hohem Maße davon abhängen, was der Willen des britischen Volkes zu sein scheint."