Umstrittene Tradition China will Stripperinnen auf Beerdigungen verbieten
Je mehr Menschen auf einer chinesischen Beerdigung anwesend sind, desto besser: Denn eine große Menschenmenge legt dort nahe, dass der Verstorbene angesehen, beliebt und wohlhabend war. Und wie lockt man möglichst viele Besucher zu einer Trauerfeier? In zahlreichen ländlichen Gegenden Chinas lautet die Antwort: mit Stripperinnen.
"Von Zeit zu Zeit kommt es auf dem Land zu Striptease-Darbietungen und anderen illegalen Aufführungen", heißt es in einer Mitteilung des Kulturministeriums in Peking. Alle darin verwickelten Personen müssten künftig "mit sofortigen Ermittlungen und Strafen" rechnen.
Das Ministerium berichtet unter anderem von einem Fall in der Provinz Hebei im Norden des Landes. Die staatseigene Tageszeitung "Global Times" hatte kürzlich einen Augenzeugen zu Wort kommen lassen: "Zwei Stripper in freizügiger Kleidung tanzten auf einer Bühne auf einem öffentlichen Platz in unserem Dorf. Erst tanzten sie leidenschaftlich, dann zogen sie Stück für Stück ihre Kleider aus", berichtete er. Hinter ihnen habe eine Leinwand gestanden, auf die ein Bild des Verstorbenen projiziert war.
Die freizügigen Darbietungen auf Beerdigungen sind in China nicht neu. Schon 2006 gab es Bestrebungen, sie zu verbieten. So berichtete die BBC damals über fünf Personen, die in der Provinz Jiangsu festgenommen wurden, weil sie Tänzerinnen an Trauergemeinden vermittelt hatten.
In Taiwan gab es bereits Anfang der Achtzigerjahre Berichte über Showeinlagen auf Trauerfeiern, wie Marc Moskowitz berichtet. Der Professor für Anthropologie veröffentlichte 2011 eine 37-Minuten-Dokumentation mit einem Titel, der übersetzt heißt: "Für die Toten tanzen: Beerdigungs-Stripper in Taiwan".